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Morrok und der Regenbogen



Ein zeitgenössisches Märchen von Günter Brandt

Das vielleicht ein wenig dazu beiträgt, die eigentlichen Werte des Lebens wieder zu finden und zu begreifen. Denn diese Werte sind ganz bestimmt nicht Macht, Reichtum, Titel und Selbstherrlichkeit.

Sondern Liebe, in der Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft, Friedfertigkeit und Demut wohnen. Und wir sollten dankbar sein, in einem wunderschönen Paradies leben zu dürfen, das doch eigentlich allen Menschen auf der Erde geschenkt wurde. Denn ganz sicher war es von den Göttern nicht vorgesehen, als sie das Paradies schufen, dass nur die Mächtigen und Reichen sich dieses Paradies teilen sollen, damit sie sich auf Kosten der Notleidenden ein Leben im Überfluss und Luxus leisten können.

Und ist es nicht so, dass zu allen Zeiten durch die Gier nach Macht und Reichtum unzählige Menschen in bitterster Not und im Elend leben mussten? Wie Viele haben durch all die unnötigen Kriege ihr Leben verloren, die doch nur den Ansprüchen der bösartigen Menschen dienten, die es doch eigentlich nicht wert sind, in einem Paradies zu leben. Und wenn alle Meere der Erde leer wären und man sie mit den Tränen füllen wollte, die bisher wegen dieser Ansprüche geweint wurden, würden sie sicher über die Ufer treten. Und wie viele von den Tränen würden wohl Kindertränen sein?

Günter Brandt


Morrok und der Regenbogen


Vor vielen 1000 Jahren, als die Augen der großen Menschen und die der Kinder noch glücklich leuchteten und mit lustigen Lachfältchen versehen waren, lebte auf der Insel der grünen Berge der gutmütige kleine Geist Morrok. So recht wusste er eigentlich selbst nicht, wie er auf die wunderschöne Insel gelangt war, aber irgendwie konnte er sich, meist Abends vor dem Einschlafen daran erinnern, dass er an einem frühen Morgen in eine große Baumkrone gefallen war und dass er noch sehr, sehr klein war. Außerdem wusste er noch, dass ihm nach der Landung der Po sehr wehgetan hatte.

Und immer, wenn eines der vielen Tiere auf der Insel ihn fragte, woher er denn überhaupt käme und wie er auf die Insel gekommen wäre, antwortete er nur ganz kurz und knapp „Ich bin vom Himmel in einen Baum gefallen!“ Eigentlich wusste er ja auch nicht mehr, obwohl er sich schon gern an etwas mehr als nur an die Landung in den Baum erinnert hätte.
Aber wie sollte er auch wissen, dass ihn die guten Geister aus einer mit Gräsern geflochtenen Tragetasche verloren hatten, als sie die Welt traurig verließen, um in den Himmel zurück zu kehren.
1000 Jahre hatten sie im Auftrag der Götter auf der Erde aufopferungsvoll gegen die bösartigen Mächte gekämpft, die sich in die Herzen einiger Menschen im Paradies eingeschlichen hatten, das die Götter doch extra für die Menschen geschaffen hatten.

Immer wieder hatten die guten Geister vor der Hinterhältigkeit und Verschlagenheit der bösen Mächte gewarnt, die den Menschen alles Mögliche versprachen, damit sie ihnen hörig wurden.
Doch letztendlich verloren sie den ausweglos gewordenen Kampf, da sich immer mehr der Menschen trotz vieler Warnungen von ihren gütigen Göttern abwandten und auf die falschen Versprechen der dunklen Mächte hereinfielen, die sie letztlich sogar anbeteten.
Zu groß und verlockend waren die falschen Versprechen der verschlagenen und gerissenen dunklen und bösen Mächte, denen jedes gemeine und niederträchtige Mittel Recht war, die Menschen in ihren Bann zu ziehen.

Und immer waren es Reichtum, Ruhm und Macht, die sie den Menschen versprachen. Dabei hatten die guten Geister immer wieder auf ihre Niederträchtigkeit und Gerissenheit hingewiesen und alles Erdenkliche versucht, die Menschen vor ihnen zu schützen.
Aber so sehr sie sich auch bemühten, so erreichten sie letztendlich doch nichts. Alle Warnungen waren vergeblich geblieben und nachdem sie auch noch die letzten verbliebenen Hoffnungen aufgeben mussten, gegen das Böse zu siegen, verließen sie in einem nicht enden wollenden Trauerzug die Erde um in den Himmel zurück zu kehren, aus dem sie einst von den Göttern zur Erde gesandt worden waren.
Das ist schon lange, lange her.
Und kaum Jemand wird heute wissen, dass sich an jenem Tag die Erde vor Scham rot färbte, als wenn sie sich schuldig fühlen würde.
Und genauso wenig wird man heute wissen, dass an jenem Tag alle Regenbögen der Erde ein großes Trauerspalier für die guten Geister bildeten und bei deren Abreise weinten, so dass es überall auf der Welt aus roten Wolken bunte Tränen regnete, über die sich die Menschen sogar freuten, weil es ja so hübsch anzuschauen war.
Aber wie sollten sie denn auch wissen, dass der bunte Regen vergossene Tränen der Regenbögen waren, die vom Himmel hernieder fielen. Und noch lange, lange haben die Tiere und die letzten guten Menschen gesagt, wenn es regnete und sie einen Regenbogen sahen: „Schaut, der Himmel weint und wir sind von allen guten Geistern verlassen worden!“
Das Alles wusste Morrok natürlich auch nicht, da er am Tag der Abreise der guten Geister doch noch viel zu klein war, um das Geschehene zu begreifen.
Und wie hätte er auch wissen sollen, dass er als kleines Geistbaby aus einer geflochtenen Tragetasche gepurzelt war, als die guten Geister die Erde enttäuscht und traurig verließen.
Und so lebte er nun seit jenem Tag, seit vielen Tausend Jahren auf der wunderschönen Insel und hatte außer der Insel noch nichts von der wunderschönen Welt, und den einst glücklichen Menschen mit den leuchtenden Augen und Lachfältchen gesehen, von denen ihm einer der dienstältesten Regenbögen, der ebenso wie er, auf der Insel wohnte, so oft nach seinen vielen langen Reisen berichtet hatte.
Leider hatte ja auch noch keiner dieser Menschen den Weg zu den vielen kleinen wunderschönen versteckten Inseln gefunden, die sich in der fernen Südsee befanden. Und außerdem wäre es für sie zu jener Zeit sicher auch viel zu weit gewesen, dorthin zu gelangen. Sie hatten doch nur kleine Boote, mit denen sie auf den stürmischen Meeren die Insel nie hätten erreichen können. Und sicher hätte die Reise mit den Booten auch noch viel länger gedauert als das Leben von vielen Millionen Glückskäfern, oder dem Leben von mehr als 100.000 vierblättrigen Kleeblättern.
Aber vielleicht hätten sie sich ja sogar auf die Suche nach ihm gemacht, wenn sie von einem kleinen guten Geist schon einmal etwas gehört hätten, zumal es ja keine guten Geister außer ihm mehr auf der Erde gab. Aber auch dann wäre es sicher nur ein Zufall gewesen, wenn sie ihn gefunden hätten, da die Insel doch sehr klein war, auf der er wohnte.

Und so schaute Morrok oft mit traurigen Augen auf das Meer hinaus und hoffte, dass er ein Boot sehen würde, in dem Menschen sein könnten, die ihn besuchen kämen. Aber so oft er auch hoffnungsvoll auf das Meer blickte und nach einem Boot Ausschau hielt, so oft ging er auch enttäuscht und traurig wieder heim.
Überall auf der Erde würden Menschen wohnen, hatte er vom Regenbogen gehört, da dieser ja schon in allen möglichen Ländern gewesen war.
Dieser musste ja, wie auch seine Regenbogenkollegen, den Wolken überall auf der Welt mit seinen Farben anzeigen, wo es dringend notwendig war zu regnen.
Dabei musste er natürlich auch aufpassen, dass sie nicht zu lange und zu heftig an einem Ort regneten, damit die Tiere und Menschen nicht ertranken und die Pflanzen durch zuviel Regen nicht zu Schaden kamen.
Und dass das nicht so einfach war, bei manchen großen Wolken, die oft unglaublich schnell am Himmel entlang ziehen, kann sich bestimmt Jeder vorstellen.
Und wer einen Regenbogen schon einmal genau beobachtet hat, kann sich auch denken, dass er die Wolken mit seinen bunten Farbwechseln schon genau darauf hinweisen muss, wo, wann und wie viel sie regnen müssen oder dürfen.
Alles in Allem haben die Regenbögen also schon einen sehr verantwortungsvollen und schweren Job, bei dem sie immer auf der Hut sein müssen, dass die Wolken ihre Befehle auch befolgen.
So war es auch bei dem Regenbogen, der mit Morrok auf der Insel wohnte. Und immer, wenn er von einer seiner langen, anstrengenden Reisen zurückkehrte, verweilte er noch ein wenig bei Morrok, der wie immer, schon sehnsüchtig auf ihn wartete, um den Geschichten des Regenbogens lauschen zu können.
Zu allererst machte der Regenbogen dann seine Farblampen aus, um kurz danach seine langen Beine auszustrecken.
Und danach erzählte er von der unglaublichen Schönheit der Erde, von den vielen wunderschönen Tieren und der unvorstellbaren Liebe unter den Menschen. Wie gebannt hörte Morrok dem Regenbogen dann zu. Aber je öfter er von all den wunderschönen Geschichten hörte, umso trauriger wurde Morrok, so dass oft Tränen in seinen Augen standen. Denn er wäre doch auch einmal so gern durch die Welt gereist, um die vielen schönen Tiere und die Liebe unter den Menschen sehen zu können.
Die Liebe muss so schön sein, dachte er oft, wenn er von ihr hörte und so schaute er dann auch meist traurig zu Boden, damit der Regenbogen seine traurigen Augen nicht sehen konnte, wenn er von der Liebe unter den Menschen und der Schönheit der Erde sprach. Mich nimmt Niemand in den Arm, dachte er oft.
Und er stellte sich immer wieder vor, wie schön das Gefühl sein würde, wenn ihn ein Mensch in den Arm nehmen würde. Aber außer ihm, den Tieren, mit denen er ja auch manchmal kuscheln konnte und dem Regenbogen war doch niemand außer ihm auf der Insel. Und so wurde sein Wunsch von Tag zu Tag größer, auch einmal bei den glücklichen Menschen sein zu können. Und wenn er Glück hätte, würde ihn ja vielleicht sogar einer der Menschen in den Arm nehmen, dachte er oft. Das wäre bestimmt wunderschön.
Aber er war ja nur ein ganz kleiner unerfahrener Geist, der die Insel nicht verlassen konnte. Dazu fehlte ihm leider auch die Macht, fliegen zu können, wie sie die großen Geister besaßen. Hinzu kam ja auch noch, dass er nie eine Geisterschule besucht hatte, in der die kleinen Geister das Fliegen und viele andere wundersame Dinge erlernen.
Und so sah er den Regenbogen oft mit traurigen Augen an und sagte: „Weißt Du Regenbogen, ich lebe nun schon viele, viele Jahre auf dieser wunderschönen Insel und außer Dir kenne ich inzwischen jeden Fisch, der um sie herum schwimmt und jede Blume, die auf ihr blüht!“ „Ebenso kenne ich alle Vögel, die in den Bäumen wohnen, all die anderen Tiere und außer den Blumen auch fast jede andere Pflanze, aber ich habe noch nie die Menschen und ihre lustigen Lachfältchen gesehen, von denen du mir so oft erzählt hast! Nimm mich doch bitte einmal auf einer deiner Reisen mit!
Schau mal, Du hast einen so großen breiten Rücken und spürst mich doch fast gar nicht! Sieh mich doch an!“
Als kleiner Geist bin ich fast so leicht wie eine Feder, bitte, bitte!“ Der Regenbogen schaute nachdenklich und sagte: „Sieh Morrok, Du lebst nun schon mehr als 1000 Menschenleben und die Anzahl der Flügelschläge von vielen 1000 Schmetterlingen während ihres Lebens auf der Insel der grünen Berge! Warum sind Dir die Menschen denn so wichtig, dass Du unbedingt zu ihnen möchtest?“ „Weißt Du, ein bisschen glücklich bin ich ja schon auf meiner Insel“ sagte Morrok.
„Aber ich möchte doch auch so gern die Liebe, wie sie unter den Menschen ist, kennen lernen, von der Du mir so oft erzählt hast.
Außerdem bin ich auch oft einsam und kann mich doch mit Niemandem richtig unterhalten, wenn Du nicht da bist!
Sehr oft unterhalte ich mich ja auch mit den Tieren, die ja ganz lieb sind, aber das ist auch oft ganz schön langweilig! Sie sprechen doch meist nur darüber, wo sie die saftigsten Blätter und die dicksten Würmer finden, oder sie wollen mit mir Verstecken oder blinde Eule spielen! Und ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich mich überhaupt noch verstecken soll.
Die Tiere kennen doch inzwischen schon all meine Verstecke. Das würde Dir auch nicht gefallen! Nimm mich doch bitte bei einer Deiner Reisen mit, auch nur einmal!“ entgegnete er.

„Weißt Du!“ sagte der Regenbogen. „So einfach ist das gar nicht, dich mitzunehmen, da ich oft sehr lange unterwegs bin!“
Denn oft muss ich auch ganz plötzlich zu einem fernen Land reisen, um die Wolken auf Vordermann zu bringen, wenn sie verrückt spielen! Meine Verantwortung ist viel größer, als du denkst.
Und außerdem sind viele der Länder so fern, so dass ich manchmal viele Tage und manchmal sogar zwei bis drei Wochen bis zu meinem Einsatzgebiet unterwegs bin, obwohl ich schon sehr lange Beine habe!
Du würdest auf der langen Reise vielleicht auch Heimweh bekommen Morrok, oder eine sehr lange Zeit auf Deine geliebten Pilz und Kräutergerichte verzichten müssen.Also überlege es Dir besser genau, ob Du wirklich mit mir zu den Menschen reisen möchtest! Und wenn Du dann immer noch unbedingt zu ihnen möchtest, dann hab doch bitte noch so lange Geduld, bis einer der kleineren Regenbögen die große Leuchtprüfung bestanden hat und groß genug geworden ist, um meinen Job übernehmen zu können!
Dann hätte ich doch auch viel mehr Zeit.

Aber Du musst auch bedenken, dass Regenbögen sehr langsam wachsen und dass ihre Farben erst bunt genug leuchten, wenn sie groß genug sind! Und außerdem müssen sie auch kräftig genug sein, da sie sonst von manchen wilden Wolken doch gar nicht für voll genommen werden würden! Die würden einem jungen Regenbogen, der noch grün hinter den Ohren ist, doch auf der Nase herum tanzen und nicht auf seine Befehle hören.
Am Anfang meiner Dienstzeit, als ich noch sehr jung war, hatte ich auch ganz schön große Probleme mit einigen Wolken, die sich einfach meinen Befehlen widersetzt haben. So dass ich manchmal einen der großen Regenbögen um Hilfe bitten musste. Morrok gedulde Dich doch bitte nur noch 1000 Sommer und wir machen gemeinsam eine lange schöne Weltreise, um die Menschen in den vielen Ländern zu besuchen! Sieh nach 100 Jahren werden meine Farben und Leuchtkraft wahrscheinlich so sehr verblasst sein, so dass die großen Gottwesen mich ohnehin in den Ruhestand versetzen werden!
Weißt Du, das machen sie bei den Regenbögen immer so, wenn diese das Rentenalter erreicht haben! Und manchmal kann ein Regenbogen auch schon mal in Frührente gehen, wenn er nicht mehr richtig fit ist. Denn das Risiko, dass das Wetter verrückt spielt, wäre auch viel zu groß, wenn ein Regenbogen seinen verantwortungsvollen Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gewachsen wäre. Daher müssen wir Regenbögen ja auch alle 5 Jahre zum Gesundheit – TÜF, bei dem neben unserer Leuchtkraft auch unser Reaktionsvermögen gründlich durch gescheckt wird.
Doch prinzipiell kann man sagen, dass das Arbeitsleben eines erwachsenen Regenbogens etwa 100.000 Jahre beträgt und in manchen Fällen auch ein wenig länger, wenn sie noch rüstig sind und über genügend Leuchtkraft verfügen! Aber da ich noch rüstig genug bin, werde ich sicher über die volle Dienstzeit meinen Job erledigen müssen.
Da muss ich durch, auch wenn ich an manchen Tagen morgens schon ganz gern etwas länger liegen bleiben würde, wenn ich gerade schön träume.
Weißt Du, zweimal habe ich schon einen heftigen Anschiss von den großen Gottwesen bekommen, weil ich verschlafen hatte. Und zum Glück haben die Wolken das damals nicht spitz bekommen, sonst hätten sie vielleicht „Wilde Sau“ gespielt und ich hätte eventuell noch größere Probleme bekommen. Einen meiner Kollegen haben die großen Gottwesen, weil ihm das schon öfter passiert war, sogar zum Leuchten auf den Mond geschickt.
Mit dem Argument, dass er einen kühlen Kopf bekommen sollte. Vier Wochen hat er auf dem Mond herum geleuchtet, erzählte er mir später.
Und er wusste überhaupt nicht, für wen er dort überhaupt geleuchtet hätte, zumal es auf dem Mond nicht eine einzige Wolke war, der er Kommandos hätte geben können. Außerdem fand er es auf dem Mond stinklangweilig, weil es dort auch absolut nichts gegeben hätte, außer Steine.
Zudem wäre es auch noch so kalt gewesen, so dass er sich dort über einen kühlen Kopf nun wirklich keine Gedanken machen müsste.
Zudem erzählte er mir, dass er eigentlich froh gewesen wäre, keinen Hintern zu haben, da der ihm dort sicher abgefroren wäre. Schau mal Morrok! Da ich nun schon fast 99.900 Jahre auf der Erde dienstlich unterwegs war, gehe ich auch ganz stark davon aus, dass ich bald von den Göttern durch einen der jungen Regenbogen abgelöst werde.
Und da gehe ich in der letzten verbleibenden kurzen Zeit natürlich kein großes Risiko mehr ein. Und die 100 Jahre bis zu meiner Pensionierung sind doch nun wirklich nur ein klitzekleiner Klacks!“
100 lange Sommer und 100 lange Winter vergingen und während dieser langen Zeit träumte Morrok fast jede Nacht von den Menschen mit den glücklich leuchtenden Augen und den lustigen Lachfältchen.
Und manchmal träumte er sogar am Tag von ihnen, wenn er auf einer der wunderschönen Blumenwiesen, oder im weißen Sand am Strand lag und ein Mittagsschläfchen hielt.

Ein bisschen konnte er sich die Menschen ja schon vorstellen, da ihm der Regenbogen die Menschen oft genug geschildert hatte, aber so ganz richtig konnte er sie sich aber doch nicht vorstellen.
Manchmal glaubte Morrok sogar das Lachen eines Menschen im Traum gehört zu haben, aber immer wenn er dann aufwachte, musste er traurig feststellen, dass es meistens doch nur wieder das Lachen der knorrigen alten Bäume über seiner schönen Wohnhöhle war, wenn sie sich Witze erzählten, oder wenn sie sich durch die vielen tausend Insekten gekitzelt fühlten, die ständig an ihnen herauf und herunter krabbelten.
Man muss wissen, dass die meisten Bäume ausgesprochen kitzelig sind, wenn sie sehr alt geworden sind und eine trockne Rinde haben, unter der die Krabbeltiere sich gut verstecken können. Aber wer weiß das heute schon noch?
„Wenn ich doch nicht immer von den Menschen träumen würde!“ seufzte Morrok oft. Denn immer; wenn er in der Nacht während eines Traumes aufwachte, war er besonders traurig. So stand er morgens meist auch schon sehr früh auf, weil er Angst vor seinen Träumen hatte und genau wusste, dass er dann nicht mehr einschlafen konnte.
Meist setzte er sich dann vor seiner Höhle auf einen großen grünen Stein und hörte den alten Bäumen zu, wenn sie über ihre Jugend vor vielen hundert Jahren plauderten, oder den kleinen Vögeln in den Nestern lustige Geschichten erzählten, wenn deren Eltern nicht bei ihnen waren. Denn Diese waren ja meistens schon frühmorgens vor dem Sonnenaufgang unterwegs, um das Futter für die hungrigen Vogelkinder heran zu schaffen.
Und sehr oft hatte Morrok auch schon eines der Vogelkinder vorsichtig und behutsam wieder in das Nest setzen müssen, wenn es vor Ungeduld oder vor Lachen heraus gepurzelt war.
Manchmal dachte er, dass sie sich auch schon mal absichtlich aus dem Nest plumpsen lassen würden, wenn sie ihn sahen.
Denn sie wussten scheinbar ganz genau, wenn sie schon etwas größer waren, dass er ihnen erst einen besonders dicken Wurm suchen würde, bevor er sie wieder ins Nest hinein setzte. Und so war es dann auch nicht selten, dass er früh morgens gleich zwei oder drei von den Vogelkindern wieder ins Nest setzen musste.

Die Zeit verging und je näher der Tag der großen Reise zu den Menschen rückte, umso weniger konnte Morrok nachts noch ein Auge zu machen, da er einfach zu aufgeregt war. Denn etwas Angst hatte er schon auch vor der Reise, da er wie alle kleinen Geisterkinder Höhenangst hatte.
Und wenn er nur daran dachte, dass er ganz weit oben auf dem Regenbogen sitzen würde, war ihm schon ganz schön mulmig in der Hose. Denn oft ragen die Regenbögen ja auch noch so weit über die Wolken hinaus, so dass man die höchste Stelle gar nicht mehr erkennen kann.
Doch endlich war der Tag der Abreise gekommen und Morrok war so aufgedreht, so dass er schon viele Stunden vorher beim Regenbogen ankam, der noch fest schlief. Seine Farben leuchteten nur ganz matt und Morrok hatte schon große Sorge, dass dem Regenbogen etwas Schlimmes zugestoßen sein könnte.
Aber vielleicht war er ja auch ernsthaft krank geworden, oder hatte es im Kreuz, weil er ja immer einen Buckel machen musste. Dann hätte er sich die vielen, vielen Jahre vergeblich auf die große Reise gefreut, oder er müsste vielleicht noch länger darauf warten, bis der Regenbogen wieder gesund sein würde. Aber zum Glück wachte der Regenbogen dann doch endlich auf und rieb sich ganz verwundert die Augen, als er sah, dass Morrok schon da war.
Daher fragte er auch ganz verschlafen: „Ja sag mal Morrok, warum geisterst Du denn schon mitten in der Nacht bei mir herum.
Ich war gerade so schön am Träumen! Jetzt habe ich das Ende des Traumes verpasst, dabei wurde es gerade so spannend!
Weißt Du, ich bin erst sehr spät heim gekommen und habe heute Nacht kaum ein Auge zumachen können, da ich in aller Herrgottsfrühe erst noch ein total durch geknalltes Gewitter beruhigen musste!
Es hatte scheinbar komplett die Orientierung verloren und dann hat es auch noch wie verrückt in der Gegend herumgeblitzt, so dass einem schon angst und bange werden konnte!
Und als ich das Gewitter dann endlich nach vielen Stunden halbwegs beruhigt hatte, habe ich ihm wärmstens ans Herz gelegt, so schnell wie eben nur möglich zu einem guten Gewitterpsychologen zu gehen! Ich hoffe, dass es auch so vernünftig ist und meinen Rat befolgt!
Nur gut, dass ich ab heute nicht mehr im Dienst bin, so dass ich so einen Chaoten nicht noch einmal erleben muss!
Aber sag mal Morrok, hast Du denn überhaupt genügend Proviant eingepackt? Du weißt ja, dass die Reise sehr lang sein wird!“ Das liegt alles dort hinten unter dem Baum und ich habe auch an Alles gedacht. Und darum kann es auch gleich losgehen!“ antwortete Morrok. „Mal langsam, so schnell geht das nicht!“ bekam er als Antwort.
„Ich muss erst meinen Frühsport machen und außerdem meine Farbbatterien in der Sonne aufladen, da ich sonst viel zu schwach bin! Das dauert schon noch eine ganze Weile und ein junger Hüpfer bin ich auch nicht mehr!“
Dann reckte und streckte sich der Regenbogen, machte einige Kniebeugen und Katzenbuckel und kurze Zeit später leuchtete er in den schönsten Farben. Und nachdem er die Farben ausgeschaltet hatte, sagte er:„So Morrok, nun kann es gleich losgehen!“
Kurz darauf machte er sich ganz lang und flach wie eine Straße ohne Kurven, so dass Morrok mit seinem Gepäck auf seinen Rücken steigen konnte.
Dann fragte er Morrok: „Sitzt Du gut?“ Und nachdem er ein kleinlautes „Ja“ gehört hatte, machte er einen großen runden Buckel, so dass man seinen kleinen Freund an der höchsten Stelle fast gar nicht mehr erkennen konnte. Dann rief er „Festhalten, wir starten!“ Und mit langen ausholenden Schritten marschierte der Regenbogen los.
Nur ganz vorsichtig öffnete Morrok nach einiger Zeit die Augen, die er eine ganze Weile geschlossen hatte, während sich der Regenbogen aufrichtete. Ihm war schon ganz schön flau im Bauch. Aber nachdem er feststellte, dass er einen sicheren Halt zwischen den Farben hatte, ließ auch seine Höhenangst mit jedem Schritt des Regenbogens nach.
„Wie schön ist doch die Welt!“ sagte er leise nach kurzer Dauer, als er das blaue Meer und die vielen schönen Inseln von oben herab sah, denn es war Alles noch viel schöner, als er es sich in den vielen Jahren des Wartens vorgestellt hatte.
Seine Augen leuchteten und Tränen der Freude rollten über seine Wangen. Er war ja so glücklich, all das endlich sehen zu dürfen, wovon er so oft geträumt hatte. Denn erst jetzt sah er auch, wie groß das Meer war, in dem sich seine Insel befand, die mit jedem Schritt des Regenbogens kleiner erschien und wie viele Fische es im Meer gab, die sogar von seinem sehr hohen Platz auf dem Regenbogen aus sehen konnte.
Er hatte auch noch nie Wale und Delphine gesehen und rief: „Regenbogen sieh doch mal, wie groß die Fische sind! Sie sind wunderschön und Manche haben auch Kinder!“ Und als wenn sie ihn grüßen wollten, stießen die Wale hohe Wasserfontänen mit der ausgeatmeten Luft weit in den Himmel, während sie den Regenbogen noch ein Stück seines Weges begleiteten.
„Sieh mal, sie grüßen uns!“ rief Morrok und winkte mit seinen kleinen Händen hinunter, in der Hoffnung, dass sie ihn sehen würden.
„Weißt Du“ sagte der Regenbogen. „Die Wale haben unglaublich gute Augen, mit denen sie bis auf die Sterne sehen können und haben Dich schon längst auf meinem Rücken entdeckt!
Darum blasen sie ja auch Wasser in den Himmel. Und das machen sie eigentlich auch nur, wenn sie jemanden grüßen möchten!
Aber ich habe natürlich auch zurückgegrüßt, indem ich meine grüne Farbe einige Male hell aufleuchten ließ! Weißt Du, wir Regenbögen haben verschiedene Grußsignale! So bedeutet z.B. Grün 3 x kurz „Ich wünsche einen schönen Tag!“ Blau 2 x kurz „Mahlzeit!“ Rot 3 x kurz „Freundschaft und ein langes Leben!“ Gelb 4x lang „Du kannst mich mal!“ Orange 4 x kurz „Grüsse an die Frau Gemahlin!“ und so weiter!
Aber das erkläre ich Dir irgendwann später noch etwas genauer!“
Als Erstes führte der Weg des Regenbogens über viele kleine Inseln hinweg nach Afrika und je mehr sie sich der Küste näherten, umso mehr stieg die Spannung in Morrok. Denn vielleicht würde er ja dort die ersten Menschen sehen, auf die er sich so sehr freute. Doch zunächst sah er an der langen Küste nur riesige Vogelschwärme, die in ihrer Vielfalt und Schönheit alles überboten, was er bisher gesehen hatte. Er sah rosarote Flamingos, Pelikane wunderschöne Papageien und viele, viele andere Vögel.
Auf seiner Insel lebten ja auch schon eine Menge schöne Vögel und Tiere, aber es waren bei weitem nicht so Viele, wie er nun sah. Außerdem waren es viele Arten, die er überhaupt nicht kannte. Stumm vor Andacht schaute er immer wieder zu den Vögeln hinunter, so dass er erst gar nicht bemerkt hatte, dass der Regenbogen inzwischen schon das Land betreten hatte.
Doch kurze Zeit später hatte er es auch bemerkt und rief: „Schau doch mal, Regenbogen, wie groß der Strand ist!“ Aber als der Strand gar kein Ende nehmen wollte und er immer noch keinen Baum oder Strauch sah, stutzte er doch. Er konnte ja auch nicht wissen, dass sie sich inmitten einer Wüste befanden.
Davon hatte der Regenbogen ihm nie etwas erzählt hatte.
„Regenbogen, hier ist kein Baum, kein Strauch und kein einziges Tier. Hier kann man nur weit gucken und eigentlich ist hier gar nichts!“ rief er dann auch. Aber eine kurze Zeit später sah er wie das Land grüner wurde.

Und nun sah er das erste Mal in seinem Leben Elefanten, Giraffen, Löwen, Zebras, Antilopen und er dachte, wie wunderschön müssen die Menschen mit den leuchtenden Augen und Lachfältchen erst sein, wenn die Tiere schon so schön sind. Immer mehr Arten konnte er erkennen, so dass er aus dem Staunen überhaupt nicht mehr heraus kam. Und dann sah er das erste Mal in seinem Leben Affen, von denen er glaubte, dass das die Menschen seien, von denen ihm der Regenbogen ihm soviel erzählt hatte.

Zuerst rieb er sich verwundert die Augen, da die Affen auf Bäumen herum turnten, aber als er dann auch noch viele von ihnen von Ast zu Ast herum springen sah, wollte er sich doch besser bei dem Regenbogen über die rätselhaften Gestalten erkundigen. Denn so hatte der ihm die Menschen gar nicht beschrieben. Lustig wirkten die Typen ja, aber dass sie auf den Bäumen leben würden und ein dickes Fell besaßen, hatte der ihm nicht erzählt.
Außerdem tobten eine ganze Menge der sonderlichen Gestalten mit rotem Hintern auf dem Boden herum, dass es nur so qualmte.
„Sag mal Regenbogen, sind das die Menschen, von denen Du mir soviel erzählt hast?“ fragte er dann auch und kratzte sich hinter den Ohren. „Du hast sie mir eigentlich ganz anders geschildert und Lachfältchen kann ich schon mal gar nicht erkennen, da ihre Gesichter mit Haaren zugewachsen sind! Außerdem hast Du mir nicht gesagt, dass sie auf den Bäumen wohnen und dass manche von Ihnen einen roten Po haben!“
Der Regenbogen stutzte. „Auf Bäumen? Behaart? roter Po?“ Er schaute herunter und dann sah auch er die Schimpansen und Paviane, die Morrok entdeckt hatte. Und rief zu Morrok herauf: „Das sind Affen, Morrok!
Habe ich Dir von ihnen nie etwas erzählt? Entschuldige bitte, dass ich sie ganz vergessen habe. Aber jetzt weißt Du wenigstens schon mal, wie die Menschen in etwa aussehen, da eine ganze Menge von Ihnen mit den Affen sehr viel Ähnlichkeit haben!“
Merkwürdig, dachte er, es gibt so viele Affen überall auf der Welt und ich habe total vergessen, sie zu erwähnen, unglaublich! Doch während der Regenbogen noch über seine Vergesslichkeit nachdachte, sah Morrok das erste Mal Menschen.
Sie waren braun und manche von Ihnen waren sogar schwarz und hatten kurze krause Haare, die wie Vogelnester aussahen.
Aber so oft er auch in ihre Gesichter sah, glücklich leuchtende Augen und Lachfältchen konnte er nicht finden. „Sie lachen gar nicht!“ flüsterte er leise. „Und ihre Augen kann ich auch nicht leuchten sehen!
Sie sehen sehr traurig aus und viele von Ihnen weinen und sind sie so dünn, so dass man ihre Knochen erkennen kann.
Morrok schloss traurig die Augen und murmelte: „Warum hat mir der Regenbogen denn überhaupt nicht gesagt, dass die Menschen gar nicht glücklich, sondern Hunger leiden und traurig sind!“
Und während er noch grübelte, bemerkte er, dass eine Schar Wildgänse auf dem Weg zum Süden ganz nahe an ihm vorbei flogen und er fragte sie: „Warum sind die Menschen denn so traurig und warum leuchten ihre Augen nicht?“
Und sie antworteten: „Ja, vor vielen, vielen tausend Jahren waren die Menschen wohl noch glücklich, wie wir vom weisen Rat der Wildgänse wissen, die jedes Jahr einmal auf dem heiligen See dieses Erdteils zusammen treffen und ihr Wissen seit vielen, vielen Generationen den jungen Wildgänsen weitergeben“
Doch das war wohl lange, lange vor dieser Zeit, von der unsere Weisen sagen, dass es die „Zeit der Liebe“ war, in der die Menschen und Tiere noch friedlich nebeneinander lebten.
Aber das ist schon lange her und die Liebe unter den Menschen findet man heute eher selten. Und noch seltener sieht man die Augen der Menschen leuchten. „Aber wie sollen ihre Augen denn auch leuchten, wenn sie Not leiden und hungrig sind! Sie wohnen doch nur in einfachen Lehmhütten, haben nichts zu essen und leben in bitterer Armut!“, riefen sie. „Sieh doch, wie dünn sie sind und viele von ihnen werden verhungern weil sie nirgendwo Nahrung finden und müssen sterben!“
„Aber warum denn?“ fragte Morrok entsetzt.
„Die anderen Menschen können ihnen doch etwas zum Essen geben! Die Welt ist doch so groß und überall wachsen Früchte und Getreide im Überfluss! Das hat mir der Regenbogen doch erzählt!“ „Das tun sie aber nicht!“ riefen die Wildgänse. „Sie lassen ja sogar die Kinder sterben, während sie selbst im Reichtum baden!“ „Die ganz Kleinen auch?“ fragte Morrok mit Tränen in den Augen.
„Sehr viele von Ihnen, viel zu viele!“ riefen die Wildgänse. „Sieh besser nicht hin, denn viele Menschen werden auch erschlagen oder mit einem Gewehr erschossen, mit dem sie auch auf uns schießen!“ „Warum denn?“ fragte Morrok verzweifelt.
„Wir wissen es nicht und fliegen schon extra sehr hoch, damit die Kugeln ihrer Gewehre uns nicht ereichen können. Und hinunterschauen tun wir auch schon viele lange Jahre nicht mehr, um nicht noch einmal vor Entsetzen die Orientierung zu verlieren!“, antworteten die Wildgänse und flogen davon.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Morrok sich wieder gefasst hatte und er fragte den Regenbogen, warum er ihm denn nicht die Wahrheit über die Menschen erzählt hätte. Die Frage hatte der Regenbogen aber auch schon erwartet, da er all die Not und das Elend unter den Menschen nun auch sah, da er extra eine Brille mitgenommen hatte, um bei der Reise die Schönheit der Natur besser sehen zu können.
Ebenso hatte er nun auch sehen müssen, dass die Menschen Hunger litten und dass ihr Lachen wohl verloren gegangen war. Und er brauchte schon sehr lange, um zu seiner Entschuldigung und eigenen Enttäuschung die richtigen Worte zu finden. „Sieh Morrok!“, sagte er dann „Als ich den Job als Regenbogen angetreten habe, war für mich natürlich alles neu und spannend und ich habe mir während der Zeit die Menschen auch öfter angeschaut und sie beobachtet! Aber glaub mir, am Anfang meiner Dienstzeit waren die Menschen wirklich noch glücklich und es brauchte auch noch niemand zu hungern!
Und ganz bestimmt hatten sie auch noch Lachfältchen, ich schwöre! Doch mit der Zeit wird mir die Arbeit dann wohl zur Routine geworden sein, so dass ich nicht mehr richtig hingeschaut habe! Und meine Augen sind in den letzten paar 1000 Jahren wohl auch nicht mehr so gut gewesen, wie sie einmal waren! Eigentlich hätte ich auch schon viel früher eine Brille benötigt, aber was hätten die anderen Regenbögen wohl gesagt, wenn ich mit einer Brille herumgelaufen wäre!
Mir wäre das peinlich gewesen und sie hätten sich doch über mich schlapp gelacht!
Und dann kommt auch noch hinzu, dass meine Augen ganz oben auf dem Bogen sind und von dort bis nach unten ist es ganz schön weit! Da fällt es schon schwer, die Dinge auf dem Boden genau zu erkennen! Außerdem waren unter mir ja auch oft Wolken, durch die ich oft nicht hindurchschauen konnte!“
„Entschuldige bitte!“, sagte Morrok. „Das habe ich doch gar nicht gewusst! Aber lass uns bitte zu einem anderen Land gehen und da suchen!
Hier möchte ich nicht bleiben, da ich nur unglückliche Menschen sehe! Vielleicht finden wir ja in anderen Ländern noch wirklich glückliche Menschen mit leuchtenden Augen, von denen Du mir so oft erzählt hast. Ganz bestimmt gibt es in anderen Ländern noch sehr viele davon!“

Doch wohin sie in Afrika auch kamen, ob im Norden, Osten, Süden oder Westen, wirklich glückliche Menschen, die Freude am Leben hatten, fanden sie nirgendwo. Überall sahen sie nur Not leidende Menschen, die traurige Augen hatten und nicht wussten, wo sie Nahrung finden sollten.
Oder sie sahen Menschen, die im Überfluss lebten und denen es in ihrer Gier nach Reichtum und Macht auch nichts ausmachte, wenn sie die armen Menschen hungern und sterben sahen. Und wenn sie schon mal ein Lachen hörten, fühlten sie, dass es nur wieder ein falsches Lachen eines Menschen mit kaltem Herzen war, der im Überfluss lebte.
Denn gute Geister und Regenbögen spüren ganz genau, ob ein Mensch ein gutes Herz hat, oder ob sich das Böse in ihm versteckt hat.
Verzweifelt schaute Morrok immer wieder auf die Menschen hinunter. Er konnte einfach nicht verstehen, wie Menschen nur so boshaft sein konnten. Und er sagte: „Ich mag nicht mehr hinschauen Regenbogen. Es bricht mir das Herz, bitte lass uns anderswo hingehen!“ Stumm und mit schwerem Herzen änderte der Regenbogen daraufhin die Richtung und ging mit schweren schleppenden Schritten zur großen Küste Afrikas im Westen. Und dabei vermied er es, so gut er konnte, hinunter auf den Boden zu schauen.
Denn Das, was er bisher gesehen hatte, war für ihn viel mehr, als er ertragen konnte. Und als sie dann endlich an der großen Küste angekommen waren, sagte er: „Morrok, ich weiß gar nicht so Recht, wo ich jetzt hingehen soll.
Ich habe Angst, keine glücklichen Menschen mit leuchtenden Augen und Lachfältchen mehr zu finden, die ich vor vielen, vielen Jahren noch überall gesehen habe.
Aber ich sollte vielleicht über das große Meer nach Amerika gehen, denn da habe ich vor 2000 Jahren, als ich dort für ein paar Jahre Dienst hatte, viele glückliche Menschen gesehen. Und vielleicht gibt es sie dort ja noch, wenn wir Glück haben!“
Und schon marschierte er über das große Wasser los. Dabei war er noch so sehr mit seinen Gedanken bei den armen schwarzen Menschen in Afrika, so dass er zuerst gar nicht bemerkte, dass ihnen sehr viele Delphine, Wale und Möwen folgten. Sie konnten nicht verstehen, dass er sie überhaupt nicht gegrüßt hatte. Zumal Regenbögen das mit ihren Farbsignalen sonst eigentlich immer taten.
Und erst, als die Möwen großes lautes Geschrei machten, wurde der Regenbogen auf sie aufmerksam.
„Warum siehst und hörst Du uns denn nicht!“ fragten sie ihn dann auch. „Du hast uns doch sonst immer so freundlich gegrüßt!“ „Ihr müsst schon entschuldigen“ sagte der Regenbogen. „Aber ich habe in Afrika so Schlimmes gesehen, so dass ich mit meinen Gedanken ganz wo anders war!“ Und dann erzählte er all die schrecklichen Dinge, die er dort sah. „Hast Du das denn nicht gewusst?“ fragten die Möwen.
„Sieh, wir Möwen fliegen schon lange nicht mehr zu den vielen schönen Seen und Bächen im Land, wie es unsere Vorfahren noch gemacht haben und bleiben lieber an der Küste. Ja, ganz früher, vor langer, langer Zeit, als noch keine weißen Menschen in Afrika lebten, soll es dort wunderschön gewesen sein, so sagt es die alte Möwengeschichte, die die Möweneltern seit vielen Generationen ihren Kindern bis heute weiter erzählt haben.
Aber heute findet man dort kaum noch Fische und außerdem lauert in vielen Seen und Bächen der Tod, wie wir wissen. Da seit langer Zeit Gift in sie hineingeleitet wird. Und so ist es fast überall auf der Erde!“ „Weißt Du Regenbogen! Als die großen Gottwesen die Möwen schufen, die sie an den Küsten beheimateten, nannten sie uns die stummen Segler. Doch nachdem wir sahen, dass viele der Menschen immer bösartiger wurden, sind wir angefangen zu schimpfen. Aber die Menschen hören uns nicht zu. Seht, wir schimpfen immer lauter, überall wo wir Menschen sehen und finden trotzdem kein Gehör, weil sie unsere Sprache nicht verstehen.
Und so sind aus uns vorher stummen Seglern Schimpf oder Schreimöwen geworden, die seit langer, langer Zeit immer wieder vergeblich versuchen, durch unser Geschimpfe die Menschen wach zu rütteln!“

Der Regenbogen hatte den Möwen stumm zugehört und war eigentlich froh, als sie sich von ihm verabschiedeten. Noch mehr hätte er auch nicht ertragen können. Und ganz langsam setzte er sich wieder in Bewegung und ihm kam es vor, als wenn er vor Traurigkeit Blei an den Füßen hätte. So schwer fiel ihm das Gehen. Inzwischen war er mit Morrok mitten auf dem großen Meer angelangt und bevor sie auf der anderen Seite des Meeres ankamen, hatte der Regenbogen aus der Ferne einige wunderschöne Inseln gesehen, aber er machte doch sicherheitshalber einen großen Bogen um die Inseln herum.
Denn er konnte sich daran erinnern, dass einer seiner früheren Kollegen vor ein paar hundert Jahren dort über einen längeren Zeitraum Sturmdienst hatte.
Und wenn er seinen Kollegen damals richtig verstanden hatte, wurden auf den Inseln schwarze Menschen verkauft, wie die, die sie in Afrika gesehen hatten. Und der Kollege hatte ihm damals auch erzählt, dass man die Menschen in ihrer Heimat wie Tiere gefangen hatte und mit brutaler Gewalt auf Schiffe verladen hätte.
Damals hatte er ihm das nicht geglaubt, da der Kollege auch als große Plaudertasche bekannt war, der gerne etwas übertrieb und schon die eine oder andere unglaubliche Räuberpistole erzählt hatte.
Und dass es Menschen geben könnte, die so gewissenlos, niederträchtig und gemein sein konnten, dass sie sogar Menschen zum Arbeiten fangen und verkaufen würden, war für ihn damals unvorstellbar gewesen.
Aber nachdem er nun das Elend in Afrika selbst sehen konnte, hatte sein Kollege leider wohl Recht gehabt. Daher machte er auch lieber einen großen Umweg um die Inseln herum, um Morrok nicht schon wieder enttäuschen zu müssen. Aber zum Glück war Morrok auf den weichen warmen Farben des Regenbogens auch fest eingeschlafen, so dass er das Ablenkungsmanöver des Regenbogens gar nicht bemerkte.
Das bislang Erlebte und Gesehene war für ihn wohl so enttäuschend gewesen, so dass er erst einmal gar nichts mehr sehen wollte und sich von dem Erlebten erst einmal erholen musste.
Und bevor sie in Südamerika auf das Land gingen, machte auch der Regenbogen eine längere Schlafpause und ruhte sich von seinem langen Marsch aus. Es war ohnehin tieffinstere Nacht, in der man kaum einen Stern sah und so ließ er ganz vorsichtig seine Farben ausgehen, um Morrok nicht durch das plötzliche Ausschalten des Lichtes zu wecken. Außerdem konnte er so ja auch etwas Strom sparen.
Nur die grüne Farbe ließ er etwas leuchten, damit ihn die Vögel, von denen ja auch manche nachts herumflogen, erkennen konnten. Sie konnten sich zwar an einem Regenbogen nicht verletzen oder verbrennen, wie man heute weiß, aber einen kleinen unangenehmen, wenn auch ungefährlichen Stromschlag bekommen sie dann schon. Und meist erschrecken und schimpfen sie dann so heftig, so dass ein Regenbogen bei dem üblen lauten Geschimpfe und Geschnatter natürlich immer wieder aufwachen würde.
Außerdem muss man wissen, dass die Energiefrage während der Ausruhphasen bei den Regenbögen oberste Priorität hat. Darum stehen sie ja auch noch lange an der gleichen Stelle, nachdem es geregnet hat und warten auf die Sonne, damit ihre Farbbatterien durch die Sonnenstrahlen wieder aufgeladen werden.
Und immer wenn sie dann mit neuer Energie aufgeladen sind, schaltet der Regenbogen seine bunten Farben aus und reist weiter.
Er muss sich also seine Leuchtkraft schon recht gut einteilen und immer auf die Sonne achten. Dass das so ist, erkennt man auch daran, dass man ohne den Sonnenschein nie einen Regenbogen sehen kann. Da er nach dem Ausschalten seiner Farben natürlich unsichtbar ist. Und so wartete auch Morroks Freund auf die Sonne am kommenden Morgen um wieder zu Kräften zu kommen, denn Strecken in dieser Länge waren selbst für ihn sehr anstrengend. Außerdem muss man ja auch bedenken, dass er in seinem Alter nicht mehr der Allerjüngste war, der die Anstrengung einfach wegsteckte.
Als er noch im Dienst war, konnte er es ja auch noch viel ruhiger angehen lassen und noch lange auf seiner Position stehen bleiben und auf die Sonne warten, bis die letzten Wolken seine Signale erkannt hatten und weiter zogen. Und im Gegensatz zu dieser Reise war das natürlich weitaus weniger anstrengend. Außerdem konnte er vorher während seiner Dienstzeit auch noch hier und da ein kleines gemütliches Mittagsschläfchen wie die Beamten halten, während die Sonne ihn auflud.
Aber daran war bei dieser Reise natürlich nicht zu denken. Dazu war Morrock doch viel zu aufgekratzt und er würde ihn auch ganz sicher nicht über einen längeren Zeitraum in Ruhe schlafen lassen.
So war es dann auch und der Regenbogen hatte gerade einmal ein paar Stunden geschlafen, als er oben auf seinem Rücken auch schon das Geschrei von Morrok hörte.
„Regenbogen, wach auf! Es ist sehr stürmisch und die Wellen werden auch immer höher, so dass ich schon einen ganz nassen Hintern habe! Lass uns schnell auf das Land gehen!“
„Nun übertreib mal nicht!“ antwortete der Regenbogen. „So hoch können die Wellen gar nicht werden, dass sie Dich da oben erreichen!
Es kann doch auch sein, dass Du Dir im Traum in die Hose gemacht hast!“ Morrok kratzte sich am Kopf und dachte: „Vielleicht hat er ja Recht!“ und er hielt lieber den Mund, da ihm das schon ein paar Mal in seiner Höhle auf der grünen Insel wirklich passiert war.
Und während er noch nach der Ursache seiner ganz persönlichen Panne nachdachte, setzte sich der Regenbogen auch schon in Bewegung und steuerte auf die Küste zu. Schnurstracks marschierte er dann auf die großen Urwälder zu und Morrok wusste vor Staunen nicht, wo er eigentlich zuerst hinsehen sollte.
Etwas so unglaublich Schönes hatte er noch nie zuvor gesehen und so dauerte es auch eine ganze Weile, bis er nach dem vielen Staunen die ersten Worte heraus bekam.
„Regenbogen, sieh doch mal, wie schön die Wälder sind! Sie sind ja noch viel schöner als auf unserer Insel! Und ich habe auch noch nie so viele schöne bunte Vögel gesehen und Blumen, die sogar oben in den Bäumen wachsen! Bestimmt sind die Menschen hier sehr glücklich! Aber leider kann ich sie ja nicht sehen, da ich nicht unter die großen Baumkronen schauen kann!“
Der Regenbogen dachte nach, aber es wollte ihm Nichts einfallen, wie Morrok hätte auf den Waldboden schauen können.
Erst dachte er, dass er sich ganz flach machen könnte, aber dann hätte Morrok auf dem Boden auch noch nichts erkennen können, da die Bäume viel zu dicht beieinander standen. Und ihn von seinem Bogen hinunterrutschen lassen wollte er ihn besser auch nicht, da er von seinen früheren Kollegen gehört hatte, dass es im Urwald von wilden gefährlichen Tieren nur so wimmeln würde, die er dort oft genug gesehen hätte.
Das schien ihm viel zu gefährlich. Lieber wollte er dann eine Zeitlang kreuz und quer zwischen den Baumkronen herum marschieren, damit Morrok zumindest die ganze Schönheit des Urwalds bestaunen konnte. Und dass dies die richtige Entscheidung war, erkannte er auch daran, dass es auf seinem Rücken während der langen Rundgänge im Urwald die ganze Zeit mucksmäuschenstill war.
Doch irgendwann wurde es dem Regenbogen dann doch zu langweilig, immer in den Wäldern herum zu stiefeln, da er während seiner langen Dienstzeit schon mehr als genug Wälder gesehen hatte.
Vor 20.000 Jahren hatte er eine Weile in Sibirien Dienst gehabt und dort hatte er eigentlich schon genug Bäume und reichlich viel Gegend gesehen. Und außer Elchen, Mäusen und Schneeeulen gab es dort eigentlich soviel wie gar keine Tiere, so dass sein Dienst dort Alles in Allem ausgesprochen stinklangweilig war. Und hinzu kam auch noch, dass er sich dort das eine oder andere Mal den Arsch abgefroren hatte, so dass er sich an seinen eigenen Farben wärmen musste.
Dort kriegten ihn um alles in der Welt keine 100 Pferde mehr hin. Und so marschierte er nach ein paar Stunden lieber weiter nach Mittelamerika, wo es sehr viele kleine wunderschöne Länder gab, in denen er ganz am Anfang seiner Dienstzeit eingesetzt worden war. Zur damaligen Zeit gab es dort unglaublich schöne Tempelanlagen, in denen nur glückliche Menschen lebten. Auf seinen späteren Dienstplänen hatten dann meist nur die ganz großen Länder gestanden, in denen die jungen Regenbögen sicher auch total überfordert gewesen wären, alles unter Kontrolle zu halten.
Und wie er von einem Kollegen aus dem fernen Schlitzaugenland vor etwa 12.000 Jahren gehört hatte, den er während einer Generaluntersuchung beim Farb- EKG kennen gelernt hatte, würden in Mittelamerika inzwischen sogar sehr viele Menschen wohnen.
Da war es natürlich auch klar, dass der Regenbogen in diesem Fall ganz besonders auf Mittelamerika gespannt war. Aber so sehr er nach den damaligen Tempelanlagen Ausschau hielt, er konnte kaum noch Tempel finden.
Und wenn er dann schon einmal einen Tempel sah, waren sie meist von Schlingpflanzen zugewuchert und menschenleer. Nichts war mehr wie damals und er fragte sich, wo all die Menschen geblieben waren.
Sehr nachdenklich und wehmütig schaute der Regenbogen zu den Tempeln herunter und er konnte nicht verstehen, warum die einst so glücklichen Menschen verschwunden waren. „Ich habe mich doch so sehr darauf gefreut, wieder hier sein zu dürfen und das lustige Treiben unter den Menschen noch einmal sehen zu dürfen, aber es ist alles wie ausgestorben. Niemand ist mehr hier!“
Wie gern hätte er Morrok die vielen einst glücklichen Menschen gezeigt, aber so sehr er auch nach Menschen Ausschau hielt, er konnte keine finden. Mit schleppenden Schritten ging der Regenbogen enttäuscht weiter in Richtung Westen, um den Urwald zu verlassen und er fragte sich immer wieder, wo all die Menschen geblieben waren.
Doch kaum hatte er den Urwald verlassen, hörte er auch schon Morrok aufgeregt rufen. „Regenbogen, Regenbogen ich sehe Menschen, ganz viele, dort hinten, schau doch mal!“
Und nachdem der Regenbogen seine Brille zurechtgerückt hatte, sah er sie auch. Sie waren bunt gekleidet, trugen Hüte und manche von ihnen trugen sogar Federn in den Haaren. Sie schauen aber lustig aus dachte Morrok erst.
Aber als sie den Menschen ein Stück näher kamen, konnte er erkennen, dass viele ihrer Gesichter gar nicht lustig aussahen. Stattdessen wirkten ihre Augen, als wenn sie ins Leere blicken würden.
„Die Meisten sehen sehr traurig aus!“ sagte er leise. „Und Lachfältchen kann ich schon gar nicht sehen! Nur ihre Kleidung ist lustig, darum habe ich mich auch wohl täuschen lassen!
Sieh mal Regenbogen!“ sagte er. Sie wohnen in ganz einfachen Hütten, in die es hinein regnen kann und ich kann auch keine Kinder sehen, die spielen!“ Stattdessen sahen sie, wie die Kinder in großen Abfallbergen der Reichen nach Nahrung suchten und mit traurigen Augen heimkehrten, weil sie nichts Essbares gefunden hatten.
Weinend schaute Morrok zu den Kindern hinunter und sagte zum Regenbogen: „Mir tun die Kinder so leid und ich mag auch gar nicht mehr hinschauen! Können wir nicht noch irgendwo anders suchen?“ Aber der Regenbogen war nicht in der Lage, Morrok zu antworten, denn nachdem er die große Not der Menschen, und vor allem die der Kinder sah, hatte es ihm vor lauter Entsetzen die Sprache verschlagen.
Er konnte nicht verstehen, warum die meisten der einst so glücklichen Menschen in bitterer Armut leben mussten und er war so wütend darüber, dass seine Farben schon gefährlich sprühten. Und bevor er zu explodieren drohte, ging er wortlos weiter und wählte den Weg an der Küste entlang, damit die kalten Meeresstürme ihn etwas abkühlen konnten.
Damals während seiner ersten Reisen in seiner langen Dienstzeit hatte er in Mittelamerika so viele schöne Tempelanlagen gesehen, in denen die Menschen wie ausgelassene Kinder lebten und er war oft neidisch auf ihr herrliches Leben gewesen.
An den Tempeln rankten zu jener Zeit wunderschöne Blumen und auf kunstvoll angelegten Terrassen hatte man Getreide und Gemüse angebaut, so dass die Menschen im Überfluss leben konnten und keine Not leiden mussten. Und manchmal hatte er auch ihren wunderschönen Gesängen und Flötenspielen zugehört, die ihm noch während seines ganzen Lebens Gänsehaut gemacht hatten, wenn er sich nur daran erinnerte. Und jetzt hatte er im Urwald zwar einige der großartigen Tempel wieder erkannt.
Aber glückliche Menschen wie damals waren nicht in ihnen.
Stattdessen waren sie verlassen und von Schlingpflanzen zugewuchert. Er konnte all Das, was er nun sah, nicht begreifen. Und er fragte sich immer wieder, warum denn keine Menschen mehr wie Damals in den einstigen wunderschönen Tempeln und Wohnhäusern waren.
Der Regenbogen schaute traurig zu Morrok hinauf und sagte: „ Morrok, hier waren Damals so viele glückliche Menschen mit leuchtenden Augen, aber sie sind fort. Und ich weiß auch nicht, wo sie geblieben sind.
Ich hatte so sehr gehofft, sie Dir zeigen zu können. Aber sie sind einfach nicht mehr da. Und so ging der Regenbogen traurig mit schweren Schritten und schwerem Herzen die Küste entlang. Außerdem tat ihm Morrok so Leid, der sich doch so sehr auf die glücklichen Menschen gefreut hatte. Und irgendwie fühlte er sich auch schuldig, Morrok die glücklichen Menschen von damals nicht zeigen zu können.
So war es auch kein Wunder, dass der Regenbogen so sehr in seinen Gedanken versunken war, dass er gar nicht bemerkte, dass ihm ein früherer Regenbogenkollege entgegenkam, der in Kanada seinen Dienst tat.
Erst im letzten Moment wurde er auf ihn aufmerksam, als dieser direkt neben ihm stand, obwohl sein Exkollege schon weit vorher wie wild mit seinen Farben geblinkt hatte.
„Sag mal 410“, hörte er ihn dann auch erst rufen, als Dieser direkt vor ihm stand. „Hast Du mich denn überhaupt nicht gesehen? Ich habe doch schon eine ganze Weile wie verrückt mit meinen Farben herumgeblinkt!“ Aber als er dann in das Gesicht seines früheren Kollegen sah, bemerkte er, dass dieser sehr traurig wirkte. Und so fragte er ihn dann auch sogleich nach dem Grund seiner Traurigkeit.
„Ach weißt Du!“ begann der Regenbogen und dann erzählte er ihm das Erlebte und die ganze traurige Geschichte.
Geduldig hörte sich der andere Regenbogen alles an und er konnte die Traurigkeit seines Kollegen und Morroks gut nachempfinden, da er in seiner Dienstzeit auch schon mehr als genug Schlimmes gesehen hatte. Dabei war er noch gar nicht so lange im Dienst, da er erst vor 4000 Jahren die große Leuchtprüfung gemacht hatte. Aus diesem Grund hatte er auch mit der 1312 eine sehr hohe Dienstnummer.
Und dann erzählte 1312 die Geschichte von den einst glücklichen Menschen in den schönen Tempelanlagen. „Seht!“ sagte er. Am Anfang meiner Dienstzeit hatte ich auch oft Dienst in Mittelamerika. Und ich weiß auch noch, wie glücklich die Menschen hier einst waren. Aber dann kamen Schiffe von der anderen Seite des großen Meeres mit weißen Männern, die sehr viele der einst glücklichen Menschen des Goldes wegen umbrachten. Dabei hatten die friedfertigen Indianer sie vorher sehr freundlich empfangen.
Und in ihrer Gier nach Macht und Reichtum nahmen die weißen Menschen ihnen erst das Gold, dann das Land, danach die Freiheit und letztlich auch noch oft das Leben. Viele der Menschen leben in bitterer Armut, da sie durch diese Menschen alles verloren haben.
Vielleicht werdet Ihr jetzt auch verstehen, warum die armen Menschen nicht lachen können, nachdem man ihnen Alles genommen hat!“

„Bitte hör auf!“ rief Morrok und hielt sich die Ohren zu. Er hatte doch so sehr an die glücklichen Menschen geglaubt und nun hatte er bisher nur traurige Geschichten gehört und schlimme Dinge gesehen.
Und nach einer Weile fragte er: „Weißt Du denn nicht, wo wir noch Menschen mit leuchtenden Augen und Lachfältchen sehen können?“ fragte Morrok mit hoffnungsvollen Augen.
Aber als Antwort sah er nur ein Schulterzucken von 1312. Denn so sehr dieser seinen Kopf auch anstrengte, es wollte ihm einfach nichts einfallen, da er glückliche Menschen auch schon lange nicht mehr gesehen hatte.
Während seiner Dienstzeit war er ja auch fast nur in Amerika und Kanada unterwegs gewesen und in Ausnahmefällen höchstens mal am Nordpol, wo eigentlich soviel wie gar keine Menschen wohnten.
Es war dort zwar kalt, aber dafür war es dort wenigstens noch sauber, denn oft genug hatte er vor den anderen Ländern auch noch riesig große Ölteppiche auf den Meeren und an den Küsten gesehen, in denen viele der Seevögel und Fische qualvoll starben. Außerdem war am Nordpol die Luft noch rein und noch nicht so sehr vergiftet, so dass er sich immer freute, wenn er dort schon mal seinen Dienst leisten konnte.
Vor allen Dingen musste er sich dort nicht die von bösen Geistern besessenen Menschen anschauen, die er ganz gewaltig auf dem Kieker hatte. Aber glückliche Menschen waren dort natürlich auch nicht. Und so sagte er auch: Ihr solltet Euch vielleicht besser auf der anderen Seite des großen Meeres im Westen umschauen!“ Denn er wusste genau, dass Morrok und der Regenbogen noch mehr enttäuscht sein würden, als sie es ohnehin schon waren, wenn sie auch noch in Amerika suchen würden.
Das wollte er ihnen besser ersparen. Darum sagte er auch: „Schaut, viele der Menschen leben auch dort in bitterer Armut und hätten sich bestimmt ein viel schöneres Leben gewünscht! Aber wie sollen sie ihr Leben ändern, wenn sie auch dort von den bösen Mächten unterdrückt werden!
Seht, eine lange Zeit war auch Amerika ein wunderschönes Land, in dem die Menschen friedlich miteinander auskamen!
Sie lebten im Einklang mit der Natur, wohnten in schönen Zelten und es fehlte ihnen an nichts! Es waren viele fröhliche und edle Völker, die man später einfach Indianer nannte, obwohl sie andere schöne Namen hatten!“
Und glaubt mir, es hat mir riesig Spaß gemacht, wenn ich manchmal zuschauen konnte, wenn sie wild um ihre Lagerfeuer tanzten!
Aber das ist schon lange vorbei und ich habe auch schon lange keine Comanchen, Irokesen, Mayas, Siox oder viele andere Völker der Indianer mehr tanzen sehen!
Wisst ihr, nachdem man Amerika entdeckt hatte, kamen immer mehr Menschen nach dort, die in ihrer vorherigen Heimat in Europa von den bösen Mächten in bittere Armut gestürzt wurden, so dass sie dort hungern mussten!
Sie hatten sich in dem fernen Land ein schöneres Leben ohne Unterdrückung erhofft und die Indianer hätten ihr riesengroßes Land auch sicher gerne mit ihnen geteilt, da die ersten Siedler ja auch sehr nett waren!
Aber kaum hatten sie sich in ihrer neuen Heimat eingelebt, folgten ihnen immer mehr von den Menschen, die von den bösen Mächten besessen waren! Und in ihrer Gier nach Reichtum und Macht teilten sie das riesengroße Land unter sich auf, wozu ihnen jedes Mittel Recht war!

Mit brutaler Gewalt verfolgten sie die Indianer, um ihr Land in ihren Besitz zu nehmen und erschossen mit ihren Schießeisen viele hundert Tausend Büffel, die den Indianern als Lebensgrundlage dienten! Hinzu kam dann auch noch, dass sie Pferde mitbrachten, auf denen sie ritten, um die Indianer schneller verfolgen zu können, wenn diese flohen. Glaubt mir, die Pferde haben zwar immer wieder versucht, das Böse von ihrem Rücken abzuschütteln, weil sie Mitleid mit den Indianern hatten.
Aber sie hatten ja kaum eine Chance, da man sie mit Prügel und brutaler Gewalt dazu zwang, ihre böse Last zu tragen.
Einige Pferde hatten sogar das Glück, mit Hilfe der Indianer in die Freiheit fliehen zu können. Später nannte man diese Pferde dann Mustangs. Und immer, wenn sie weiße Menschen sahen, sind sie geflüchtet, da sie diesen Menschen nicht mehr trauten. Zu schlechte Erfahrungen hatten sie mit ihnen gesammelt. Und es ist bis heute auch sehr schwierig, das Vertrauen eines Pferdes und noch schwieriger, das Vertrauen eines wilden Mustangs zu gewinnen.
Da muss man schon sehr tierlieb sein und ein gutes Herz haben. Und glaubt mir, das spüren die Pferde ganz genau.
Später haben viele der geflohenen Pferde sogar den Indianern geholfen, gegen die bösen Eindringlinge zu kämpfen, indem sie die Indianer auf sich reiten ließen. Von den Indianern wurden sie ja auch gut behandelt. Aber letztendlich waren die Indianer, trotz der Hilfe der Pferde dann doch wehrlos, da sie mit ihren Pfeilen und Bögen den Schießeisen der Eindringlinge unterlegen waren.

Und es endete damit, dass man unglaublich viele von den edlen stolzen Indianern umbrachte und den letzten Wenigen mit ihren Frauen und Kindern nur sehr kleine Gebiete ließ, in denen sie nur noch in bitterer Armut leben konnten!“ „Warum denn, ich verstehe das nicht?“, rief Morrok entsetzt. „Das Land gehörte doch den Indianern, wenn sie vorher dort wohnten!“
Und er stellte sich vor, wie es wäre, wenn man ihm seine grüne Insel stehlen und von dort fortjagen würde. Und als er dann auch noch hörte, dass sehr viele der Menschen inzwischen in vielen turmhohen Käfigen leben müssten, die bis an den höchsten Punkt des Regenbogens und bis in die Wolken reichen würden, hatte er genug gehört. „Lass uns nicht nach dort gehen!“ bat er den Regenbogen und mit einem leisen „Tschüss 1312!“ vergrub er das Gesicht enttäuscht in seinen Händen.
Nur gut, dass er seine flauschige Kuscheldecke mitgenommen hatte, die ihm der Regenbogen von einer seiner vielen Reisen mitgebracht hatte. Denn so konnte er sie sich über den Kopf ziehen, weil er von den Ausführungen des Regenbogens 1312 nichts mehr hören wollte. Und während sich die beiden Regenbögen noch eine ganze Weile unterhielten, schlief Morrok irgendwann ein.
Sie hatten sich ja auch viel zu erzählen, denn so oft passiert es natürlich auch nicht, dass sich zwei Regenbögen zufällig begegnen.
Und natürlich war das Gespräch für 1312 auch von sehr großer Bedeutung, da sich so für ihn die einmalige Gelegenheit bot, von 410 noch eine ganze Menge hinzu zu lernen, zumal dieser auf eine unglaubliche Berufserfahrung zurückschauen konnte. So gab es zum Beispiel eine ganze Menge schwer erziehbare Wolken, unter denen es auch einige Halbstarke oder Rabaukenwolken gab, bei denen es nicht so einfach war, mit ihnen fertig zu werden.
Und da konnte ihm natürlich die langjährige Erfahrung, oder der eine oder andere psychologische Tipp von 410 schon sehr nützlich sein.
Aber auch Fragen betreffs der Energiegewinnung an sonnenarmen Tagen waren für ihn von fundamentaler Bedeutung. Fast 2 Stunden unterhielten sich die beiden dann auch noch über Dieses und Jenes, bis sie sich zum Schluss mit einem freundschaftlichen und kollegialem „Gut Buckel“ verabschiedeten.
Vielleicht hätte ich ihm noch raten sollen, eine dunkle Sonnenbrille zu tragen, damit er das Elend auf der Welt nicht so deutlich sieht, da er noch eine unglaublich lange Dienstzeit vor sich hat, dachte der Regenbogen noch, aber 1312 war mit seinen langen Beinen schon viel zu weit fort, um ihn noch hören zu können.
Dann schaute er zu Morrok herauf, als wenn er dessen Rat suchen würde. Aber Morrok sah nur gedankenverloren aufs Meer. Er war sehr still geworden und hatte alle Hoffnungen aufgegeben und es dauerte auch eine ganze Weile, bis er wieder mit dem Regenbogen sprach.
„Du Regenbogen, wir waren nun schon so lange unterwegs und ich habe noch keinen einzigen Menschen mit richtig glücklichen Augen und Lachfältchen gesehen! Ich glaube, wir finden diese Menschen nicht mehr!
Sie sind nicht mehr glücklich!“ Der Regenbogen wurde nachdenklich und sagte: „Vielleicht hätten wir vor 20 tausend Jahren die Reise machen sollen, denn damals habe ich eigentlich nur glückliche Menschen gesehen! Wir kommen wohl zu spät! Aber wir sollten noch nicht aufgeben Morrok, denn irgendwo gibt es bestimmt noch einige der Menschen, die wir suchen und wenn es auch nur noch Wenige sind!“
Aber ganz gleich, wohin sie auch kamen und suchten, wirklich glückliche Menschen mit leuchtenden Augen und Lachfältchen konnten sie Nirgendwo finden. Und wenn sie schon einmal Menschen sahen, die lachten, war es eigentlich nie ein richtig ehrliches Lachen, dass vom Herzen kam, sondern ein falsches, oder ein eher trauriges Lachen. Zudem sahen sie Menschen, die ohne aufzuschauen fast ängstlich durch die Straßen rannten, als wenn sie von Raubtieren gehetzt werden würden.
Oder sie saßen irgendwo herum wie leblose Puppen, während ihre Augen ins Leere blickten. „Bitte lass uns aufgeben Regenbogen! sagte Morrok. Ich mag nicht mehr hinschauen und auch nicht weiter suchen! Die Menschen sind verloren!
„Leider hast Du wohl Recht!“ antwortete der Regenbogen.
„Aber vielleicht sollte ich noch einen der Winde fragen, ob er weiß, wo wir noch suchen könnten, denn die kommen doch sehr weit herum! Und außerdem kommen sie viel näher an die Menschen heran, wenn sie durch die Städte und Orte fetzen!
Auf den Gedanken hätte ich eigentlich auch schon viel eher kommen sollen, denn manchmal blasen sie ja an deren Häuser und können dabei sogar durch die Fenster schauen! Ich finde, das ist gar keine schlechte Idee und wir sollten es zumindest versuchen und einen der Winde fragen!“
Vielleicht haben wir ja das Glück, dass einer von Ihnen in der Nähe ist. Morrok achte genau auf die Bäume, denn wenn sich deren Zweige heftig bewegen, ist ein Wind nicht weit! Und wenn ein Wind in der Nähe ist, könnte ich ihm mit meinen Farben auch Zeichen geben, damit er sieht, dass ich mit ihm sprechen möchte!“
Und kaum hatte der Regenbogen mit seinen Farben geblinkt, kam einer der Winde auch schon angebraust und sagte: „Hallo Regenbogen, schön bunt siehst Du heute wieder aus, Du hast mich gerufen? Was kann ich für Dich tun?“ Dass der Wind so schnell da sein würde, hatte der Regenbogen natürlich auch nicht erwartet. Und so fragte er ihn auch: „Sag mal Wind, warst Du zufällig in der Nähe, dass Du so schnell bei uns angekommen bist?“
„Aber das war nun wirklich nur rein zufällig!“, sagte der Wind. „Weil ich dort hinter dem verträumten Verwaltungsgebäude eine kleine Schlafpause eingelegt hatte! Weißt Du, Regenbogen, die Plätze unter den Fenstern der vielen Amtsstuben der Behörden und Regierungen sind meine Lieblingsplätze zum Ausspannen, da es dort immer schön ruhig ist! Natürlich gibt es auch noch schönere Plätze, aber wenn man richtig entspannen möchte und nicht gestört werden will, gibt es nichts Besseres.
Das kannst Du mir glauben! Da kann es höchstens öfter vorkommen, dass man durch ein herzhaftes Gähnen oder ein zu lautes Schnarchen aufgeschreckt wird. Und das eine oder andere Mal kommt es auch schon einmal vor, dass einem der Beamten beim Einschlafen der Kopf auf den Tisch fällt, so dass es bummst.
Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an das Bumsgeräusch, Gähnen und die Schnarcherei!“
Und dann erzählte ihm der Regenbogen von Morroks Wunsch, die Menschen mit den glücklichen Augen und den Lachfältchen zu sehen und fragte ihn ganz höflich, ob er vielleicht wüsste, wo sie diese Menschen überhaupt noch finden könnten. „Wer ist denn Morrok?“ fragte der Wind. „Ich kann Niemanden sehen außer Dir!“
„Das ist ein kleiner lieber Geist von der Insel der grünen Berge, wo auch ich wohne, wie Du weißt!“ antwortete der Regenbogen.
„Er sitzt da oben auf meinem Rücken!“
„Ach das ist ein Geist da oben!“ sagte der Wind verwundert. „Ich habe vorhin schon geguckt und gedacht, dass Du ein kleines Geschwür auf dem Buckel hast!“ Doch dann wurde der Wind sehr ernst und sagte: „Diese Menschen, die ihr finden möchtet, sind immer weniger geworden und es gibt nur noch sehr wenige von Ihnen! Man muss schon in alle Ritzen sehen können wie ich, da man sie sonst überhaupt nicht mehr entdecken kann!“
„Seht, vor vielen tausend Jahren, als mein Vater mich das Wehen und Heulen gelehrt hat, konnte man noch bei fast allen Menschen die glücklich leuchtenden Augen und niedlichen Lachfältchen sehen! Aber das ist schon sehr, sehr lange her! Zu jener Zeit haben noch viele gute Geister auf der Erde gewohnt und haben den Menschen geholfen, wo sie nur konnten!
„Vieles haben sie die Menschen gelehrt, da sie ja über ein unglaublich großes Wissen verfügten! Die ganz großen Gottwesen hatten sie damals beauftragt, die ersten Ewigkeiten auf der Erde zu verbringen, um auf sie Acht zu geben, bis alles erschaffen war! Denn vieles war noch sehr zart und zerbrechlich!
Und als dann alles bedacht und vollendet war, hatten sie ein wunderschönes Traumland geschaffen, das sie „Paradies“ nannten!
Und in dieses Paradies durften dann die Menschen mit den glücklich leuchtenden Augen und den Lachfältchen einziehen! Ihr werdet bestimmt verstehen können, wie sehr sich die Menschen gefreut haben und dass sie ausgelassen waren wie kleine Kinder!
Aber sie blieben nicht alle so, denn einige von ihnen waren im tiefsten Inneren von bösen Mächten befallen worden, die sich auf üble und niederträchtige Weise auf der Erde in die Seelen einiger Menschen eingeschlichen hatten!
Seht, am Anfang versprachen sie den glücklichen Menschen ein noch schöneres Leben. Dabei fehlte es den Menschen wirklich an Nichts.
Und nachdem schon viele der Menschen auf sie herein gefallen waren, zeigten sie ihr wahres böses Gesicht und unterwarfen immer mehr der Menschen mit den glücklichen Augen und den niedlichen Lachfältchen, bis sie die Macht über die Erde gewannen!
So wurden mit jeder Zeit immer mehr Menschen von ihnen befallen und ihre Bösartigkeit nahm ständig zu! Seht, sie nahmen den vorher so glücklichen Menschen letztlich sogar das Paradies und teilten es unter sich auf, so dass den Menschen kaum noch ein Zipfelchen Land blieb, auf dem sie in Freiheit leben konnten.
Dabei hatten die Menschen das Land doch mit soviel Liebe, Mühe und mit Hilfe der guten Geister und der großen Gottwesen hergerichtet und bestellt, um sich von den Früchten ernähren zu können! Und von all den vielen Früchten gab es soviel, so dass vorher kein Mensch auf der Erde hungern musste.
„Aber es hungern jetzt ganz viele Menschen und sehr Viele sterben sogar, weil sie nichts zum Essen haben. Das habe ich doch selbst gesehen!“ sagte Morrok weinend.

„Ich weiß!“ sagte der Wind. „Wisst Ihr, am Anfang haben sehr viele der Menschen ja auch noch versucht, ihr Land zu verteidigen und sich zu wehren!
Aber letztendlich waren sie den bösen Mächten dann doch hilflos ausgeliefert, da diese mit Schwertern und Lanzen kamen und auch nicht davor zurück schreckten, sie zu töten, wenn sie ihr Land nicht hergaben. Und fortan mussten die Menschen wie Sklaven auf dem Land, das ihnen vorher selbst gehörte, für ihre Peiniger arbeiten und soviel von der Ernte bei ihnen abliefern, so dass sie selbst hungern mussten!
Aber zudem fanden sich auch noch immer mehr Menschen, die dazu bereit waren, dem schmutzigen Werk der bösen Mächte mit Waffen zu dienen, da sie hofften, dass für sie etwas von der Beute abfallen würde! Und wenn es ihrem Reichtum und ihrer Macht diente, haben die bösen Mächte die einst glücklichen Menschen auch sogar noch gezwungen für sie im Krieg zu kämpfen. Ganz gleich, wenn Diese auch ihr Leben verloren.
Seht! Und so waren es letztendlich Millionen Menschen, die für die Gier nach Reichtum und Macht der bösen Mächte den Tod fanden. Aber noch nicht einmal damit genug.
Denn sie haben Die, die am erfolgreichsten töteten, sogar noch mit einem wertlosen Stück Blech geschmückt, den sie Orden nannten, damit man sehen konnte, wer ihnen am meisten zu Diensten war. Und so blieb es bis zum heutigen Tag auf der Welt.
Nun werdet ihr sicher auch verstehen können, dass immer mehr der Menschen das Leuchten in den Augen verloren und dass ihre niedlichen Lachfältchen verschwanden, so dass ihr sie heute nur noch sehr, sehr selten findet!“
Morrok saß fassungslos und niedergeschlagen am Boden, da er inzwischen vom Regenbogen herunter gerutscht war und hatte den Kopf ganz tief gesenkt, damit der Wind seine Tränen nicht sah.
Außerdem fiel ihm das Atmen sehr schwer, da die guten Geister nicht nur Sauerstoff, sondern auch Liebe zum Atmen benötigen.
Aber das wissen wohl die Wenigsten!
„Ist denn nicht einmal so viel Liebe auf der Erde, so dass ich atmen kann?“, flüsterte er leise und es schauerte ihn.
Der Wind sah Morrok lange an und sagte: „Sieh auf Morrok, Du brauchst Dich Deiner Tränen nicht zu schämen!
Ich weiß, dass Du ein guter Geist bist und voller Gefühle lebst! Wärest Du sonst ein Freund des Regenbogens?
Glaub mir, Tränen sind Hilferufe der Liebe und wer sie nicht weinen kann und sehen will, ist den bösen Geistern verfallen!“ Und während er Morrok sanft durch das Haar blies, fuhr er mit der traurigen Geschichte fort, und sprach: „Schaut Euch die Erde an!
Sie ist zwar immer noch wunderschön, aber sterbenskrank! Die guten Geister haben die Welt der Menschen schon lange verlassen, als sie sahen, dass sie alle Hoffnungen aufgeben mussten, im Kampf gegen die bösen Geister zu siegen!
Seht, die Fische schwimmen von Trauer erfüllt ganz langsam in den Gewässern, die vergiftet sind! Und wenn ihr euch die Blumen anschaut, werdet ihr kaum eine finden, an deren Blüten keine Tränen sind!

Wisst ihr!“ sprach er weiter. „Vor langer Zeit hat es mir auch noch viel Spaß bereitet, durch die Wälder zu heulen, aber das wage ich schon lange nicht mehr! Den Bäumen hat es damals auch nichts ausgemacht, wenn ich manchmal etwas heftiger geblasen habe, weil sie gesund waren und tiefe Wurzeln hatten!
Und sie haben sich sogar gefreut, wenn ich schon mal etwas heftiger geblasen habe, da ich sie so von lästigem Ungeziefer und abgestorbener Rinde befreien konnte.
Aber das ist schon lange vorbei! Seht, wenn ich heute durch den Wald wehe, habe ich Angst die Äste der Bäume zu brechen, oder sie gar zu entwurzeln! Sie stehen meist auf vergiftetem Boden, finden kaum Nahrung und weinen! Schaut sie euch an, und ihr werdet erkennen, dass sie ihre Zweige kaum aufrecht halten können, so dass sie herunterhängen! Wundert es euch dann, dass viele von ihnen schon jung sterben?
Aber dann kommt ja auch noch hinzu, dass die von den bösen Mächten befallenen Menschen in ihrer Gier nach Reichtum immer mehr der großen wunderschönen Wälder abholzen, so dass sie auch den Tieren immer mehr ihres Lebensraums nehmen, nur um durch den Verkauf des edlen Holzes ihr Vermögen zu vermehren. Und glaubt mir, sie werden in ihrer Gier nach Reichtum und Macht auch nicht davor zurückschrecken, das ehemals wunderschöne Paradies gänzlich zu zerstören, so dass die künftigen Kinder vergeblich nach duftenden Blumen und schönen Tieren suchen werden.
Wisst ihr, früher habe ich unzählige verschiedene, wunderschöne Tiere in den Wäldern sehen können, aber es wurden immer weniger und manche sind schon so selten geworden, so dass man sie nur noch in Käfigen sehen kann. Doch die Käfige sind so klein und eng, so dass sie sich in ihnen kaum bewegen können und ich höre jeden Tag ihr Klagen, weil sie doch so gerne in der Freiheit leben möchten. Und wenn ich nur daran denke, wie gern ich früher in den Wäldern war, könnte ich schon wieder vor Wut heulen. Denn ich sehe nur noch sehr selten Tiere, da sie sich aus Angst vor den Menschen verstecken, die große Freude daran haben, sie zu töten!
Wenn sie die Tiere des Fleisches wegen töten würden, da sie es zum Essen benötigen, könnte ich es ja noch verstehen!
Aber die Meisten von Ihnen leiden keinen Hunger und töten die Tiere nur, um mit den Geweihen, Fellen und Köpfen der armen Tiere ihre Wohnungen zu schmücken! So werdet Ihr Euch auch sicher nicht wundern, dass ich manchmal so wütend, so dass ich am liebsten all das Böse mit all meiner Kraft von der Erde herunterpusten möchte!
Und glaubt mir, wenn ich ein mächtiger Orkan wäre, hätte ich es auch ganz bestimmt schon öfter als einmal versucht, oder zumindest ihre pompösen Häuser und Schlösser hinweg gefegt! Aber als einfacher Wind fehlt mir leider die Kraft dazu!
Seht, wir Winde und Stürme haben auch schon einmal die Orkane und Hurrikane gefragt, ob wir nicht gemeinsam etwas unternehmen könnten! Aber sie mussten es leider ablehnen, uns zu helfen!
So gerne sie auch dazu bereit gewesen wären! Dabei hatten wir so große Hoffnungen in sie hinein gesetzt. Aber dann erfuhren wir leider, dass sie ihre Dienstpläne von den großen Gottwesen ganz persönlich bekommen würden und sie sich auch ganz genau daran halten müssten, wenn sie keinen Ärger bekommen wollten! Und im Grunde genommen wären sie auch nur für das Grobe zuständig!“
Morrok und der Regenbogen hatten dem Wind stumm und entsetzt zugehört und konnten ihre Tränen nicht mehr aufhalten.
Zu grausam und herzlos war all das gewesen, was sie vom Wind gehört hatten und neben der Traurigkeit verspürten sie eine grenzenlose Verachtung für die bösen Mächte. Und so fragte Morrok nach einer Weile auch zornig: „Wie erkenne ich denn die Menschen, die von den bösen Mächten befallen sind? Wir müssen doch etwas tun!“
„Sieh mal“, sagte der Wind. „All die guten Geister, die die Erde schon vor langer Zeit verließen, haben alles Mögliche versucht und konnten trotzdem nichts ausrichten! Wie wollen wir denn dann etwas ändern können!
Seht, schon seit vielen tausend Jahren sagen die Menschen: „Du bist wohl von allen guten Geistern verlassen!“ Und so wird es auch wohl bleiben! Scheinbar bist Du der einzige gute Geist, der noch auf der Erde wohnt und man hat vergessen Dich mitzunehmen, weil man dich auf deiner einsamen Insel übersehen hat!“
„Ich bin vom Himmel in einen Baum gefallen und seitdem wohne ich da!“, antwortete Morrok. „Aber ich möchte trotzdem wissen, woran ich die bösen Menschen erkenne!“ sagte er dann trotzig, so wie der Regenbogen ihn sonst eigentlich gar nicht kannte.

„Nun, ihr erkennt sie an ihrem Lachen, antwortete der Wind. Aber schaut genau hin und so werdet ihr sehen, dass es ist kein glückliches Lachen ist! Denn sie tragen Lachmasken, die so aussehen, als wenn man bei ihnen die Mundwinkel an den Ohren und die Nase an der Stirn festgebunden hätte!
Und wenn ihr in ihre Augen hineinschaut, werdet ihr sehen, dass sie nicht leuchten und es erschauert euch vor Kälte!
Außerdem erkennt ihr sie auch daran, dass die Männer sich wie Pinguine, Mönchsgeier, oder gar wie Pfauen kleiden und große bunte Schärpen und bunte Blechorden tragen, um sich mit ihnen zu zieren. Hinzu kommt noch, dass sie sich aufführen, als wenn ihnen die ganze Erde gehören würde!

Aber leider gehört sie ihnen ja auch schon.
Denn sie haben inzwischen so viel Vermögen zusammengerafft, so dass kein Mensch auf der Erde hungern müsste, wenn sie nur einen geringen Teil ihres Reichtums mit ihnen teilen würden! Doch glaubt mir, sie werden nichts teilen und haben stattdessen Gesetze geschaffen, mit deren Hilfe sie ihre Macht und ihr Vermögen schützen und vermehren können!
Und zu guter Letzt erkennt ihr sie auch noch an den geschwollenen Reden, in denen sie den Menschen alles Mögliche versprechen, obwohl sie schon vorher ganz genau wissen, dass sie hinterher nichts von ihren Versprechen halten werden! Aber die Frauen unter ihnen könnt ihr noch viel besser erkennen!
Denn sie laufen wie bunte Paradiesvögel umher, denen im zunehmenden Alter viele der prächtigen Federn ausgefallen sind.
Und damit sie sich untereinander besser erkennen können, tragen sie einen Teil ihres Reichtums an den Hälsen und Händen! Aber auch sie werden ja älter und darum lassen sich manche von Ihnen sogar das Gesicht verändern, um viel jünger auszusehen. Doch dabei bemerken sie scheinbar nicht einmal, dass sie danach wie eine überreife Frucht eines Affenbrotbaumes aussehen, an der selbst eine hungrige Made kein übergroßes Interesse zeigen würde!

Ich könnte euch noch so viele schlimme Dinge berichten!“ sagte der Wind. „Aber das möchte ich euch besser nicht antun. Denn sonst würdet ihr sicher auch für den Rest eures Lebens das Lachen verlieren!
Glaubt mir, wenn ich euch von all der Not und Hoffnungslosigkeit der Menschen erzählen würde, die ich durch die Fenster ihrer Wohnungen sah, könntet ihr es nicht ertragen!“
„Wäre ich doch nur auf meiner Insel geblieben!“ sagte Morrok mit traurigen Augen. „Sag Wind, gibt es denn überhaupt keine Menschen mehr mit glücklich leuchtenden Augen?“ fragte er flehend. „Doch es gibt sie noch!“ entgegnete der Wind.
„Kommt mit, ich zeige sie euch!“
Dann setzte er Morrok auf eine daunenweiche Wolke und pustete ihn mit der Wolke ganz sanft zu einem unter Bäumen versteckten Haus an einem kleinen Wäldchen. An den Fenstern des Hauses waren unzählig viele bunte Bilder und als sie über den Zaun schauten, sahen sie im Garten Schaukeln, Sandkästen und bunt angemalte Klettergestelle.
Ganz leise ging Morrok durch ein großes Tor, über dem ein großes bunt bemaltes Schild hing, auf dem „Kindergarten“ stand und er glaubte seinen Augen nicht zu trauen, denn überall liefen ganz kleine niedliche Kinder herum.
Sie spielten und tobten, sangen und lachten, hielten sich an den Händen und nahmen sich liebevoll in die Arme.

„Sieh doch mal, Regenbogen!“ sagte er. „Ihre Augen leuchten glücklich und sie haben ganz süße Lachfältchen!“ während Tränen der Freude über seine Wangen rannen.
Stumm schaute der Regenbogen zu den Kindern hinunter und damit er sie noch besser sehen konnte, stellte er sich mitten über den Kindergarten. „Weißt Du, Wind!“, sagte er. „Inzwischen bin ich schon so alt geworden, aber nie zuvor habe ich so viel Glück und Liebe unter den Menschen gesehen!“
Und all die Kinder, die den großen bunten Regenbogen inzwischen bemerkt hatten und mit leuchtenden Augen und offenen Mündern bestaunten, sahen, wie der Regenbogen weinte.
Er hatte sich ja so bemüht, seine Tränen zu unterdrücken, aber letztendlich konnte er es doch nicht verhindern, dass große bunt leuchtende Tränen von seinem Bogen auf den Rasen herunterkullerten.

„Seht!“ sagte der Wind, wenn die Menschen noch ganz klein sind, haben sie noch glücklich leuchtende Augen und Lachfältchen. Aber wenn sie größer werden, erlischt das Glühen in ihren Augen und aus den Lachfältchen werden Sorgenfalten! Fortan leuchten ihre Augen nur noch, wenn sie ihre Kinder sehen und manchmal hört man sie dann auch in ihren Wohnungen lachen!
Aber das erlebe ich leider auch immer seltener. Wisst ihr, die von bösen Mächten besessenen Menschen dulden das Glück nicht und hassen das Lachen, weil ihnen die Angst unter den Menschen mehr nützlich ist!

Aber am meisten Sorge bereitet mir, dass ich immer weniger ein Kinderlachen höre und stattdessen immer mehr traurige Augen von Kindern sehe, da sie und ihre Eltern bittere Not leiden müssen.
„Gibt es denn gar keine Hoffnung mehr für die Menschen?“ fragte der Regenbogen und schaute den Wind hoffnungsvoll an. „Ja, ein ganz klein wenig Hoffnung habe ich noch, dass die Menschen die bösen Mächte endlich erkennen und sich von ihnen abwenden!“ sagte der Wind.
„Seht, in allen Menschen ist auch die Liebe, die sie von den großen gütigen Gottwesen geschenkt bekommen, wenn sie in die Welt hinein geboren werden, Denn wo das Böse ist, ist auch das Gute und wartet ganz geduldig auf die Chance, die verlorenen Menschen für die gutmütigen großen Gottwesen zurück gewinnen zu können.
Und glaubt mir, die Liebe wird niemals aufgeben, gegen das Böse zu kämpfen und wäre der Kampf auch noch so hoffnungslos
Aber noch viel mehr Hoffnung machen mir die Menschen, die das Lachen zwar verloren haben, aber nicht ihren Edelmut, so dass man sie nicht gleich erkennt! Es sind Die, die versuchen, die Natur, und insbesondere die Tiere zu schützen! Und es sind die, die gegen das Böse und für die Gerechtigkeit sterben.

Die, die ihr Leben für die Alten, Kranken, Armen und Hungernden opfern! Und die, deren Leben den Kindern in den Kinderheimen und Kindergärten gehört, damit diese das Glühen in den Augen und das glückliche Lachen nicht zu früh verlieren!
Man erkennt sie allerdings nur, wenn es dunkel wird!
Denn in der Dunkelheit leuchten ihre Augen mild und warm wie weit entfernte Sterne hinter einem goldenen Nebel und manchmal sieht man dann auch ein zaghaftes liebes Lächeln in ihren Gesichtern! Man muss nur ganz genau in ihre Augen hineinschauen!“
„Sag, Wind, was ist denn ein Kinderheim?“ fragte Morrok.
„Weißt Du!“ sagte der Wind. „Es gibt Kinder, die keine Eltern mehr haben, weil diese nicht mehr leben, oder sie sind den Menschen lästig geworden, weil sie sich nicht um sie kümmern möchten! Und manche Eltern können die Kinder auch nicht ernähren, da sie zu arm sind!
Für all diese Kinder hat man dann Häuser gebaut, in denen sie versorgt werden! Und manchmal holen freundliche Menschen, die keine Kinder haben, eines von ihnen zu sich! Man nennt das dann „Adoptieren!“
Du kannst Dir bestimmt verstellen Morrok, dass die anderen Kinder sehr traurig sind, wenn sie niemand haben möchte und nicht abgeholt werden!“ „Ja das kann ich!“, sagte Morrok und rief: „Regenbogen, wir können die Kinder doch auch adoptieren und gleich soviel mitnehmen, wie Du tragen kannst! Dann wäre ich auch nicht mehr so einsam auf der Insel der grünen Berge!
Außerdem gibt es bei uns doch noch so viele wunderschöne Inseln, auf denen sie wohnen und spielen könnten!“ Der Regenbogen schaute Morrok entsetzt an und ihm gingen vor Schreck die Farben aus.

„Sag mal, hast Du einen Kurzschluss?“ fragte ihn der Wind und es dauerte schon eine ganze Weile, bis der Regenbogen sich von dem Schrecken erholte und seine Farben wieder zum Leuchten gebracht hatte.
„Wie stellst Du Dir das vor?“ fragte er. „Die Kinder müssen doch auch versorgt werden! So einfach ist das nicht!“ „Dann können wir von den lieben Menschen doch auch einige mitnehmen, die das machen!“ sagte Morrok. „Und ich kann den Kindern beim Spielen helfen!“
„Außerdem habe ich noch eine ganz tolle Idee!
Denn bestimmt kennst Du eine ganze Menge alte Regenbögen, die auch nicht mehr arbeiten müssen wie Du, weil sie nicht mehr so hell leuchten können, oder es im Kreuz haben! Sie könnten dann doch als Brücke arbeiten und die Inseln miteinander verbinden, so dass die Kinder von über euch Brücken von einer Insel zur anderen laufen könnten!
Findest Du das nicht auch toll?“
„Als Brücke arbeiten?“, rief der Regenbogen entsetzt und es hatte den Anschein, als wenn er nahe vor einem erneuten Kurzschluss stehen würde, da seine Farben schon wieder ganz bedrohlich funkelten und sprühten.

„Eigentlich ist die Idee doch gar nicht so schlecht mit den Brücken!“ mischte der Wind sich in das Gespräch ein. „Überleg doch mal, Regenbogen, ihr könntet im Liegen arbeiten, so dass ihr so gesehen mit Nichtstun noch etwas Gutes tun würdet!
Sei doch mal ehrlich, im Ruhestand liegt ihr doch ohnehin nur in der Gegend herum und da ist es doch eigentlich ganz gleich, wo ihr herum liegt!
Außerdem ist es bei euch auf den schönen Inseln doch sehr schön!“
„Hast Du das gehört, Regenbogen?“ sagte Morrok und schaute ihn bittend an. Doch dem Regenbogen hatte es vollkommen die Sprache verschlagen. Und er sah es schon fast als Beamtenbeleidigung an, im wohlverdienten Ruhestand als Brücke herumliegen zu sollen.
Aber je länger er darüber nachdachte, umso mehr konnte er sich auch mit dem Gedanken anfreunden, zumal er ja auch nicht der einzige ranghohe Beamte auf der Erde wäre, der seinen Job größtenteils im Liegen verrichten würde.
Und nach kurzer Zeit sagte er: „Morrok, die Idee mit den Brücken ist ja gar nicht mal so schlecht, aber hast Du auch überlegt, wie oft ich laufen müsste, um alle Waisenkinder auf die Inseln zu bringen?
Bei einer Reise kann ich höchstens 100 Kinder tragen, aber es sind doch auf der ganzen Welt viel, viel mehr! Außerdem müsste ich doch auch noch die Menschen holen, die die Kinder versorgen!
Und wie ich gesehen habe, sind bei den Menschen, die die Kinder versorgen sollen, auch ganz schön viele Moppel dabei, die nicht gerade wenig wiegen.
Das schaffe ich doch gar nicht mehr in meinem Alter, so Leid es mir tut!“ „Schade!“, sagte Morrok, „Darüber habe ich überhaupt nicht nachgedacht!“ und schaute traurig zu Boden.
Doch plötzlich blies der Wind seine Backen auf und blies so heftig, so dass der Regenbogen Schwierigkeiten hatte, nicht umzufallen. „Warum hast Du denn auf einmal so furchtbar geblasen, hast Du Kreislaufstörungen?“, fragte er dann auch. „Entschuldige, sagte der Wind, aber das ist bei mir immer so, wenn ich eine gute Idee habe!
Und gerade jetzt habe ich eine ganz besonders tolle Idee!“ Hoffnungsvoll sah Morrok den Wind an, als dieser seine Idee erklärte. „Passt auf!“ sagte der Wind. „Ich habe mir überlegt, die Wolken und die großen Vögel zu bitten, uns zu helfen!
Denn wenn die Wolken noch ganz dunkel sind voller Regen, könnten doch die großen Vögel die Kinder auf die Wolken hinauf tragen, nachdem die vielen kleinen Vögel Lagerstätten aus Laub, Gräsern und Zweigen auf ihnen errichtet haben! Und wenn die Kinder auf den Wolken sitzen, könnten die anderen Winde und ich die Wolken zu den Inseln blasen!
Auf diese Weise würde man die Kinder von unten auch nicht mehr sehen können, da man doch durch die dunklen Wolken nicht hindurchschauen kann!“ „Ich finde meine Idee ist großartig, so dass ihr mich ruhig dafür etwas bewundern könntet.
Und damit die Reise nicht zu lange dauert, könnte ich auch noch meinen jüngeren Bruder fragen, ob er uns hilft!
Der war als ganz kleiner Wind schon viel kräftiger als ich und hat Sturm gelernt!“ Außerdem bin ich mir ganz sicher, dass seine Sturmkumpel da auch mitmachen würden! Die fänden das bestimmt toll.

Vor einiger Zeit habe ich bei einer großen Windparty ein paar von Denen kennen gelernt und fand, dass seine Kollegen ausgesprochen nett waren! Sie hatten zwar alle eine ganz schön dicke Backe, aber das ist bei Stürmen doch auch völlig normal!“
Diese Idee gefiel natürlich auch dem Regenbogen, denn so brauchte er keine Angst mehr vor den unglaublich vielen langen Transporten zu haben.
So geschah es dann auch. Viele, viele Vögel sammelten Zweige, Gräser und Blätter, mit denen sie Lagerstätten auf den Wolken errichteten und dann trugen die großen Vögel all die unglücklichen Kinder und Waisenkinder der Erde an einem nebeligen Tag auf die Wolken hinauf. So dass die Menschen es gar nicht bemerkten.
Und nachdem der Regenbogen die Wolken ordentlich angespitzt hatte, unterwegs nur nicht schlapp zu machen, bliesen die Winde und Stürme der ganzen Welt die Wolken mit ihrer kostbaren Last auf die vielen schönen grünen Inseln, die so weit im Süden lagen, so dass sie Niemand finden konnte.

Für die Winde und Stürme war es natürlich auch eine Ehrensache, da sie auch ganz schön stinkig auf die bösen Mächte waren und so gab es auch keinen einzigen Wind auf der Erde, der nicht kräftig mitgepustet hätte.
Und nachdem alle unglücklichen Kinder mit Hilfe der Winde zu den Inseln gepustet worden waren, wurden einige von ihnen danach sogar zum Orkan oder gar zum Luftwebel befördert, da sie sich besonders große Verdienste beim Pusten erworben hatten, als sie die Wolken mit den darauf befindlichen Kindern auf schnellstem Weg aus der Gefahrenzone der bösen Mächte brachten.
Aber das weiß heute kaum noch jemand.

Und genau so wenig wird man wissen, dass die Beförderungen von den großen Gottwesen ganz persönlich vorgenommen wurden. Aber auch die Wolken, die die Kinder trugen, wurden von den großen Gottwesen ganz besonders geehrt und ausgezeichnet. Und zur Belohnung ihrer großen Anstrengungen brauchen sie seitdem nie wieder die schweren Lasten des Regens tragen und dürfen stattdessen für alle Zeiten als weiße Schäfchenwolken am Himmel herumschweben und sich die wunderschöne Erde anschauen. So ist es ja auch Heute noch.
Und immer wenn die Sonne scheint, kann man sie sehen.
Sehr oft sieht man sie auch vor Glück am Himmel wie kleine ausgelassene Kinder herum toben. Man muss sie nur genau beobachten.
Aber natürlich hatten die großen Gottwesen auch Morrok und den Regenbogen nicht vergessen. Ganz im Gegenteil, denn in einer ganz besonderen Feierstunde hatten sie zur Überraschung Morroks auch alle guten Geister eingeladen, die die Erde vor langer Zeit verlassen hatten, so dass Morrok auch endlich seine Eltern wieder sehen konnte, die natürlich unglaublich stolz auf ihn waren.

Und ganz am Ende der großen Feierstunde versprachen die großen Gottwesen, dass die vielen schönen grünen Inseln den bösen Mächten für alle Zeiten unsichtbar bleiben sollten, indem sie 1000 Regenbögen mit Liebe füllten und um die Inseln herumstellten, damit das Böse niemals zu ihnen gelangen konnte. Denn die großen Gottwesen wissen ganz genau, dass die Liebe der einzige Schutz der glücklichen Menschen mit den leuchtenden Augen und den Lachfältchen vor den bösen Mächten ist.
Und so leben die glücklichen Menschen auch noch heute auf den wunderschönen grünen Inseln in einem einzigen Paradies.
Sie ernähren sich von Früchten und Beeren, spielen und schmusen mit den Tieren, tanzen lachend am Strand mit Blumen in den Haaren und haben mit den bunten Regenbögen, die die Inseln miteinander verbinden, die schönsten und größten Rutschen, die man sich vorstellen kann.
Und abends, wenn die Sonne untergeht, hört man sie oft wunderschöne Weisen singen, in denen sie die Schönheit der Erde, die Liebe und die großen Gottwesen preisen, denen sie soviel zu verdanken haben. Und meist sitzt Morrok dann auf seinem allerliebsten Lieblingsplatz ganz oben auf dem Rücken seines Freundes, dem Regenbogen, da er dort die beste Aussicht hat und weint Tränen der Freude.
Aber manchmal ist er auch mit dem Regenbogen auf der ganzen Welt unterwegs und schaut nach, ob er traurige, und einsame Kinder findet, die er mit auf die grünen Inseln nehmen möchte, weil sie unglücklich sind.

Und wenn Du das Glück hast und einen Regenbogen siehst, die ganz selten geworden sind, da die meisten von ihnen ja die Inseln bewachen müssen, schau ihn Dir genau an. Denn vielleicht kannst Du ja ganz oben auf seinem Rücken einen kleinen lieben Geist entdecken, der zu Dir herunter schaut und Dir zuwinkt!

Günter Brandt
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