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Das Meer der Tränen


Vor endlos langer Zeit, als die Welt gerade geschaffen worden war und die vielen Länder, Berge, Flüsse und Seen noch keine Namen trugen, schenkten die Götter auch den Bächen, Flüssen und Seen das Leben. Aber wo sollen wir hin und wo sollen wir her fließen, fragten die Bäche und Flüsse. Die Welt ist so wunderschön, so dass wir am liebsten überall her fließen möchten.
Doch die Götter antworteten: „Seht, ihr habt so viele Möglichkeiten, euch traumhafte Wege auszuwählen, in denen ihr Eure Wasser führen könnt, um sie hernach in einen See oder in ein Meer fließen zu lassen.
Bedenkt, dass euer Wasser stets abwärts fließen wird, so dass es bei Wahl der Wege behilflich sein wird.
Doch die Bäche und Flüsse konnten sich nicht entscheiden, welchen Weg sie wählen sollten, da die Welt überall traumhaft schön war.
Denn die Götter hatten sich eine halbe Ewigkeit Zeit genommen, das Paradies zu schaffen und die Erde behutsam mit einem feuchten Nebel umhüllt, damit jedes Samenkorn aufgehen konnte, dass sie ausgesät hatten.
Von den Höhen bis hinunter zu den Seen und Meeren wuchsen Gräser, die noch sehr zart waren und hier und da blühten auch schon Blumen, die mit ihrem süßen Duft die ersten bunten Schmetterlinge anlockten.
Und wenn man etwas genauer hinschaute, konnte man sogar schon kleine Pflänzchen erkennen, die nach vielen Jahren zu großen mächtigen Bäumen heran wachsen würden. Aber die Zeit bis dahin war noch lang.
Es duftete nach Farnen, Kräutern und Moos, auf denen unzählig bunte Glückskäfer herum liefen und die Vögel sangen Melodien, die so schön waren, so dass sie während des Singens Tränen in den Augen hatten. Sie sangen von der Liebe, der Schönheit der Erde und der Herrlichkeit der Götter, denen sie so dankbar waren, in dieser Traumwelt leben zu dürfen.
Und inmitten dieser Traumwelt begannen die Bäche und Flüsse nun ihre Wege zu suchen. Die großen Flüsse wählten Wege, die sie so schnell wie möglich zu den Meeren führten, da ihre Wasserlast doch sehr groß war und sie sich beim Erreichen der Meere eine Erleichterung erhofften.
Aber die vielen kleinen Bäche, die nicht so schwer zu tragen hatten, wollten so viel wie möglich von der wunderschönen Welt sehen, so dass sie nicht den kürzesten Weg nahmen, sondern große Umwege wählten.
So war ihr Weg zu den Seen und Meeren bedeutend länger und sie konnten unterwegs viel mehr von der Schönheit der Erde sehen.
Und nachdem nun alle Bäche und Flüsse ihren Verlauf gefunden hatten, warteten die Meere und Seen voller Ungeduld auf das kommende Wasser, da bisher noch Keines in ihnen war und ihre Spannung stieg von Minute zu Minute, bis sich das Wasser endlich in sie hinein ergoss. Doch als nun alle Seen ihre Bäche und alle Meere ihre Flüsse hatten, die sie mit Wasser versorgten, blieb ein kleiner See übrig, in den nicht einmal kleiner Bach hinein floss und er war traurig und weinte.
Ich habe doch extra einen Ort gewählt, den die Anderen nicht so schön fanden, sagte er leise.
Aber die Tiere, die bei mir wohnen, haben doch auch Durst und möchten von meinem Wasser trinken. Aber nun habe ich kein Wasser und sie werden verdursten.
Warum, fragte der See die Götter, mag kein Bach in mich hinein fließen und wäre er auch noch so klein.
Bin ich denn nicht so schön wie die anderen Seen? Und er schluchzte. Ich habe mich doch so darauf gefreut und mich extra schön gemacht. So bleibe ich doch nur ein Tal, in das Niemand kommen wird, weil es doch viel zu tief ist.
Kann denn nicht wenigstens ein klitzekleiner Bach in mich hinein fließen, fragte er und schaute traurig zu ihnen empor. Nein, sagten die Götter, in dich wird kein Wasser fließen wie in die anderen Seen, weil Du etwas ganz Besonderes bist, denn wer wie du nicht über sein Schicksal schimpft, sondern nur bittet und weint, ist es wert das kostbarste Wasser der Welt zu tragen.
Du wirst das Wasser der Gefühle und das Wasser der Liebe in dir tragen. Tränen der Trauer, der Enttäuschung und Tränen des Glücks werden in dir sein.
Aber ebenso werden auch die Hoffnung und die Träume in Dir wohnen, die für die Welt doch so wichtig sind. Siehe, wenn die Hoffnung nicht mehr lebt, stirbt die Welt. Also hüte sie!
Denn ohne die Hoffnung und Träume würde auch die Liebe sterben. Und ohne die Liebe würde auch der Regenbogen und mit ihm die Farben sterben. Aber mit den Farben würden dann auch das Licht und die Töne sterben, die man Musik nennt, so dass am Ende nur die Zeit überleben könnte.
Sieh, deine Verantwortung ist schon sehr groß, viel größer als die Verantwortung all der anderen Seen, Meere, Flüsse und Bäche, da alle Tränen der Welt in dir sein werden, die bisher vergossen wurden und all die Tränen, die noch geweint werden. Und das Wasser in dir wird so viel sein, so dass du zu einem Meer werden wirst, in dem das Wasser über die Ufer treten wird und darum werden wir dich „Das Meer der Tränen“ nennen.

Günter Brandt
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